NEUSTART von magenta zu rot – wie es ist, sich mit drei Kindern einen neuen Job zu suchen (Teil 2)

Agenturen und Headhunter

Ich bin diesen Schritt, meinen alten Arbeitgeber in Elternzeit zu verlassen, jedenfalls mit vollstem Selbstvertrauen gegangen; dass ich was Neues finden würde, daran habe ich nie gezweifelt. Trotzdem wollte ich natürlich verschiedene Wege gehen und mir auch Hilfe holen. Dazu hatte ich einmal eine Agentur zur Seite, und habe zudem mit Headhuntern zusammengearbeitet. Die Quintessenz (für mich persönlich): Zero Impact. Das ist sehr individuell und hängt wahrscheinlich mit dem Profil der Bewerber zusammen. Für mich aber hatten die Agenturen wirklich gar keinen Nutzen.

Das Marketing-Material der Agenturen ist wirklich Hochglanz – und zu Beginn war ich total begeistert, welch einen Service sie bieten: Verschiedenste Workshops, live und online, kleine Sessions, um die eigenen Stärken herauszuarbeiten, CV-Check, persönlicher Berater mit Kontakten in die Geschäftsführungsebene verschiedenster, renommierter Unternehmen. Am Ende wurde mein CV einmal quer gelesen und ich habe eine Word-Vorlage bekommen (null innovativ oder besonders). Die ganzen Kurse boten nothing special, habe ich alles im Laufe meiner letzten zehn Berufsjahre irgendwann schon mal gemacht. Am negativsten war jedoch die persönliche Beraterin: Sie kam anfangs mit lauter tollen Unternehmen, hat ein einstündiges Interview mit mir geführt, um zu verstehen, was ich mache. Am Ende kam NICHTS heraus! „Ja, Sie müssen wissen, Executive Stellen gibt es nicht besonders viele.“ „Man hat Interesse an Ihrem CV – es meldet sich jemand.“ (keine Rückmeldung) „Naja, die Besetzung solcher Stellen dauert eben.“ (das war vor 9 Monaten) „Schauen Sie doch mal in Ihrem eigenen Netzwerk.“ – Ach was. Dafür brauche ich aber keine Agentur!!

Vielleicht ist sowas eher für Menschen geeignet, die wirklich sehr lange bei einem Arbeitgeber waren und gar nicht wissen, wie man einen CV schreibt, oder sich in einem Vorstellungsgespräch präsentiert oder verhält.

Ähnlich mit den Headhuntern, wobei ich bei beiden auch das Gefühl hatte, dass sie nicht so wirklich verstanden haben, was eigentlich hinter meinem Profil steckt und was ich kann. Das Thema Digitalisierung und IT brachte sie irgendwie ständig dazu, mir irgendwelche Techi-Stellen z.B. als Leiter Cloud Computing, anzubieten. Und dann gab es Beraterstellen – gefühlt suchen grade alle Unternehmen irgendwelche Special-Berater für Digitalisierung. Jedoch habe ich weder besonders Lust als Berater zu arbeiten, noch kann ich die damit verbundene Reisetätigkeit aktuell bieten.

Also, wie schon gesagt, es mag an meinem Profil liegen, das nicht so ganz glasklar ist. Vielleicht hat man es als HR-Controller oder IT-Spezialist oder Online-Marketing-Experte da leichter. Oder die Unternehmen haben dann auf dem Papier doch erstmal keine Lust auf die Dreifach-Mutti. Oder ich hatte einfach Pech. Jedenfalls hätte ich mir die Sache mit der externen Hilfe komplett sparen können.

Unternehmen suchen Frauen (in Führung) und Digitalisierung

Die gute Nachricht aber ist, dass ich zwei Kriterien erfülle, die absolut gefragt sind: Weibliche (Führungs)kräfte und Digitalisierung. Da Digitalisierung ein Buzz-Word ist und gefühlt jedes Unternehmen irgendwie digitalisieren will oder muss, ist mein Tipp, das unbedingt im CV unterzubringen. Ich war ja bei IoT (Internet of Things), das heißt Digitalisierung at its best; aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch alle möglichen anderen Tätigkeiten gibt, die unter diesem Stichwort durchgehen!

Ja, und ich habe schonmal darüber geschrieben: Ich glaube, dass man es als Frau grade ziemlich gut hat, denn alle wollen weiblicher werden. Um genau diese Unternehmen zu finden, sucht man sich am besten ein paar Messen, die sich darauf spezialisiert haben (z.B. HerCareer oder Women&Work). Oder man blättert in den Zeitschriften (vom Manager Magazin bis zur Brigitte), wo gerne und regelmäßig die „besten Arbeitgeber für Frauen“ präsentiert und gekürt werden. Wenn man sich dort bewirbt, weiß man direkt, dass man einen Vorteil hat als Frau und höchstwahrscheinlich auch vereinbarkeitstaugliche Strukturen vorfindet.

Kinder

Die Kinder-Geschichte hat übrigens niemanden so wirklich interessiert, was ich total gut finde! Ich hatte anfangs sogar überlegt, sie einfach wegzulassen im CV, um niemanden abzuschrecken. Habe mich dann aber dazu entschieden, einfach „verheiratet, 3 Kinder“ bei den persönlichen Daten zu schreiben. Denn schließlich gehören sie zu meinem Leben dazu und es wäre eh recht schnell rausgekommen 😉
Vielleicht sind drei Kinder gar nicht so schlecht, denn ich habe mich immer ganz selbstbewusst gegeben und gesagt, wie ich seit drei Jahren Vollzeit mit zwei kleinen Kindern gearbeitet habe und das organisiert bekommen habe, da kommts auf eins mehr auch nicht mehr an. Außerdem habe ich kommuniziert, dass ich einen klaren Plan habe: Betreuungsplätze in der Kita gesichert, OGS-Platz an der Grundschule, Aupair engagiert.

Erstmal Vollzeit

Die letzte kleine Hürde ist dann noch das mit der Vollzeit. Ich habe, auch mit Kindern, immer Vollzeit gearbeitet und werde das weiterhin so tun! Ich bin damit aber noch immer eine Ausnahme. Das heißt im Umkehrschluss, dass ihr euch damit hervorheben könnt, wenn ihr nicht mit „ich will aber nur Teilzeit arbeiten“ kommt. Ich persönlich bin ja sowieso der mega Vollzeit-Verfechter (Teilzeit gibt nur weniger Geld für die gleiche Arbeit); aber auch ich war mir vor ein paar Jahren, als ich von Null auf zwei Kinder kam nicht ganz sicher, ob das klappen würde. Ich hatte mir trotzdem in der Hinterhand immer gedacht, wenn ich es nicht schaffe, dann kann ich ja immer noch reduzieren. Zudem sind die richtig coolen Stellen in den seltensten Fällen für Teilzeit ausgeschrieben, d.h. man reduziert seine Möglichkeiten essentiell. Insofern ist mein Tipp, auf jeden Fall in Vollzeit einzusteigen in den neuen Job. Im Worst Case geht man irgendwann runter mit den Stunden, aber dann hat man zumindest den Job in der Tasche und sich bereits bewiesen.

Morgen: 

Wie Unternehmen zu Work-Life-Balance stehen, wie es mit Initiativ-Bewerbungen und Jobbörsen lief, und ob ein Branchenwechsel funktioniert

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