AU-PAIR – wir brauchen Hilfe 24/7!

In den letzten Monaten haben wir viel hin- und herüberlegt, wie wir zukünftig unseren Alltag mit drei Kindern und zwei Vollzeit-Jobs managen wollen. Und haben uns schließlich für ein Au-pair entschieden 😊 Da sie erst im Januar kommt, gibt’s noch keine Tipps und Tricks oder Erfahrungsberichte von mir, sondern nur ein paar Insights, wie das Ganze so abläuft, was ihr bedenken müsst und ein paar lustige Stories von anderen. Denn wo immer ich von unseren Plänen erzähle, bekomme ich die krassesten Au-pair Geschichten präsentiert..

Wie seid ihr denn dazu gekommen?

Eigentlich dachte ich immer, das ist mir zu eng – jemand ganz Fremdes mit im Haus. Wenn überhaupt Au-pair, dann nur wenn wir mal irgendwann ein Haus mit Einliegerwohnung haben. Und wir sind ja ganz gut ausgestattet mit Haushaltshilfe, Babysittern und co.
ABER jetzt merke ich, dass drei Kinder doch nochmal eine andere Nummer sind als zwei. Und das, obwohl ich mich grade noch ganz gechillt in meiner Elternzeit befinde. Meine ersten waren quasi wie Zwillinge. Nur ein Jahr auseinander, gleiche Einrichtung, gleicher Schedule, gleiche Interessen. Jetzt haben wir ein Schulkind, ein Vorschulkind und ein Baby. Alleine morgens brauche ich eine Stunde, bis alle drei erfolgreich aus dem Haus geschafft sind. Mein Mann muss um 06:15 los und wenn ich nächstes Jahr wieder arbeiten gehe, würde alleine das eine Challenge.
Plus: #3 wirft uns krankheitstechnisch wieder zurück auf Los, d.h. jetzt im Winter hat im Zweifel immer einer was.

Wir haben uns entschieden

Es gibt also eigentlich nur diese eine Lösung, und als wir angefangen haben, genauer drüber nachzudenken, fanden wir die Idee immer cooler. Einliegerwohnung darf man eh nicht, denn die Au-pair soll am Familienleben teilnehmen! Die Tatsache, jemanden immer im Haus zu haben, gibt ganz neue Flexibilität (bisher nur in unseren Träumen 😉) und erspart sicherlich ganz viel Orga-Kram. Tagsüber sind wir ja eh arbeiten und die Kids betreut, und morgens und abends können wir jede Hilfe gebrauchen.

Die Rahmenbedingungen

Die Modalitäten sind relativ einfach: Das Au-pair bekommt ein eigenes Zimmer (abschließbar, Tageslicht, WLAN), darf nicht mehr als 30h pro Woche und 6h pro Tag arbeiten, bekommt 260€ Taschengeld im Monat, 50€ für Sprachkurse, 40€ für Versicherungen, 50€ für die Öffis und natürlich freie Kost und Logis. Sie kümmert sich um die Kinder und darf leichte Hausarbeiten wie Aufräumen, Tisch decken oder Kochen verrichten. Dafür lernt sie unsere Familie, die deutsche Sprache und Kultur kennen und wird voll integriert. Sie soll für ein Jahr bleiben (manche bleiben auch nur für sechs Monate), Visum, Einreise und Co. arrangiert die Au-pair Agentur. Die Vermittlungsgebühr liegt je nach Agentur bei +/- 600€. Den Flug bucht und bezahlt das Au-pair selbst (Abstimmung der Zeiten natürlich mit uns).

Wie geht das?

Wir haben erstmal bei Freunden rumgefragt und die Agentur Multikultur in Köln empfohlen bekommen. Nach einem intensiven Abend mit Online-Formularen ausfüllen, Bilder aussuchen, auf denen unsere Familie möglichst nett und fröhlich aussieht und einem ausführlichen Brief an das Au-pair, was es bei uns erwartet, kam am nächsten Tag die Ernüchterung:

Sehr geehrte Familie Fuchs,
wir möchten uns nochmals für Ihre Gastfamilien- Bewerbung und somit für Ihr entgegengebrachtes Vertrauen bedanken.
Nach Prüfung Ihrer Unterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass es uns z.Z. nicht möglich ist,  Ihnen ein passendes Au Pair zu vermitteln.

Ok?!? Waren am Ende die angekreuzten Tätigkeiten, die sie bei uns ausführen soll nicht zulässig?? Oder ihr Zimmer zu klein? Oder drei Kinder unter 7 nicht zumutbar? Oder die Fotos doch nicht freundlich genug???

Ich habe da angerufen und erfahren, dass es leider aktuell nicht genug Kapazitäten gäbe. Aha. Au-pairs sind also eine Mangelware! Das hat mich angespornt, Dampf zu machen, denn im schlimmsten Fall würden unsere Träume zerplatzen und wir nächstes Jahr ohne die wertvolle Ressource Au-pair dastehen.

Dr. Uwe Krenz

Wir haben auf Empfehlung einer anderen Freundin dann doch noch eine Agentur gefunden, bei der auch wir ein Au-pair bekommen können. Also alles nochmal von vorn. So stelle ich mir in etwa Dating-Plattformen vor: Sich von seiner besten Seite präsentieren, aber trotzdem authentisch und liebenswert rüberkommen.. Hier ging alles etwas unkonventioneller vonstatten: Mit der Anmeldung gabs fast täglich Emails mit Bewerberinnen inkl. Video. Die Kinder liebten es und hatten in kürzester Zeit das Bild ihrer perfekten Au-pair vor Augen (die gabs so leider nicht).

Simbabwe oder Kamerun hätten wir cool gefunden, denn die Landessprachen Englisch bzw. Französisch können wir beide. Leider klappte das nicht, die eine hat sich für eine andere Familie entschieden, die andere wirkte total unmotiviert und schien ein komplett anderer Mensch als in ihrer Bewerbung zu sein. Solche Absagen sind dann immer irgendwie traurig, das fühlte sich jedes Mal bisschen wie eine persönliche Abfuhr an.

Der Sponsor

Was mich etwas stutzig gemacht hat, ist die Sache mit dem Sponsor: Ein Au-pair wollte gerne zu uns, ihr „Sponsor“ erlaubte aber einen Antritt erst im Januar nicht, so dass sie eine andere Familie nehmen „musste“, die schon ab Dezember konnte. Auf die Frage, wer denn ihr Sponsor sei, erklärte sie, ihr Onkel. Bei mir gingen gleich alle Alarmglocken an und ich malte mir schon schlimmste Szenarien aus, wo Mädchen gezwungen werden, als Au-pair zu arbeiten, um das ganze Geld dann ins eigene Land zu schicken. Ich rief bei der Agentur an, und so ganz falsch lag ich nicht: gerade in den sehr ärmeren afrikanischen Ländern ist das durchaus üblich, dass Sponsoren den Au-pairs etwa den Flug vorschießen, da die Kosten unter Umständen ein Jahreseinkommen ausmachen. Das zahlen die Mädchen dann peu-à-peu mit ihrem Taschengeld wieder ab. Mit dem Hinweis, dass sie dafür ja auch eine tolle Chance bekämen in Deutschland, war ich dann einigermaßen zufrieden.

Wir haben sie gefunden 😊

Schließlich haben wir ein Mädchen aus Kolumbien gefunden. Entgegen einiger Ratschläge, jemanden zu suchen, der entweder schon ziemlich gut Deutsch, oder aber eben Englisch oder Französisch kann. Mein Spanisch ist so ausbauwürdig wie ihr Deutsch, dementsprechend beschränkte sich das Skype-Interview auf (vorgelesene) Fragen ihrerseits, und Ja/Nein Antworten meinerseits. Aber es war trotzdem mega lustig, sie hat mir ihr ganzes Haus gezeigt, ihre Mutter kam vorbei, und mein Bauchgefühl war ganz positiv. Sie lacht ganz viel, wirkt so herzlich, hat einen vierjährigen Neffen und ist ausgebildete Erzieherin. Also haben wir ja gesagt und hoffen, dass uns nicht sowas passiert:

Diese Horror-Stories haben uns nicht abgeschreckt

Von dem Moment an, wo wir von unseren Au-pair Plänen erzählen, hören wir alle möglichen Stories. Von der Heißen, die auf Männersuche ist, über die Aufsässige, die sich von der Mutter nichts sagen lässt, und sich wie ein pubertierender Teenager benimmt. Oder die schlechtgelaunte Kinder-Hasserin, die eigentlich nur Au-pair geworden ist, weil sie aus ihrem eigenen Land wollte. Eine andere ließ die Terrassentür offen stehen und wohnte bei ihrem Freund, während die Familie im Urlaub war. Manche feierten Parties in Abwesenheit der Familie, andere setzten die Kinder vor den Fernseher, während sie mit dem Hund rausgingen. Oder die Familie, welche von ihrer zweiwöchigen Kündigungsfrist Gebrauch machte – und das Au-pair sich mit rohen Eiern unter den Sofakissen verabschiedete. Dann noch das Worst-Case Szenario, wo das Au-pair schwanger geworden ist.

Unser Traum

Wir lassen uns aber natürlich nicht abschrecken und freuen uns mega!! Morgens wird’s dann immer ganz entspannt (ich dusche in Ruhe, während sie die Kinder fertig macht), Nachmittags kein Druck auf die Minute pünktlich aus dem Büro zu kommen, weil sie die Kinder abholen kann. Kein Organisations-Stress, wenn nachts plötzlich ein Kind krank wird und die lästige Frage „Wer bleibt zuhause“ im Raum steht. Spontane Spaziergänge oder Restaurantbesuche mit meinem Mann am Abend, wenn die Kinder schlafen. Und am Wochenende auch mal ausschlafen, wenn wir am Vorabend unterwegs waren. 😉

Ich halte euch auf dem Laufenden! Bis dahin hole ich mir Babbel und frische mein Spanisch auf – HASTA LA VISTA!

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