FAZIT: Ein Jahr nach dem Neustart

2020 habe ich einen Neustart gewagt: Neues Unternehmen, neue Branche, neue Rolle, neues Familien-Setting mit Aupair und das Ganze jetzt mit einem Kind mehr.

Heute, ein Jahr später, ziehe ich Bilanz: Was gut lief, und wo es Herausforderungen gab; was meine wichtigsten Erkenntnisse und Learnings waren; welche Auswirkungen die Pandemie auf meinen Neustart hatte; was es für einen gelungenen Neustart eigentlich braucht; UND wer meine wichtigsten Unterstützer sind. Eins kann ich vorwegnehmen: Ich würde es wieder tun, und zwar genau so: Bei Hilti, im Sales, in diesem Team, Vollzeit und mit diesen Menschen.

Komfortzone ist in diesem Jahr tabu

Ein solcher Neuanfang ist eine einzige Herausforderung, insofern ganz klar, das Jahr war anstrengend! Mehr als einmal musste ich die Pobacken zusammenkneifen und mich einfach durchkämpfen. Das Gute: Ich war darauf eingestellt; und die entsprechende Erwartungshaltung sowie Einstellung ist aus Erfahrung bereits die halbe Miete.

Es waren weder die „neuen“ Menschen, noch die Baubranche, oder die verschiedensten Arten von Schlagschraubern und Bohrhämmern und Bohrern und Schraubern, oder die Prozesse bei Hilti, die den neuen Job herausfordernd gemacht haben. Es war die Kombination aus allem. Alles neu, alles zum ersten Mal. Alles dauert länger, nichts geht einfach so standardmäßig von der Hand. Ich musste herausfinden, was (wirklich) wichtig ist, wie unsere Produkte funktionieren, was unser Vertriebsansatz ist und auch unsere Kultur verstehen und lernen. Diese Masse an NEU kann einen manchmal fast umhauen.

Gleichzeitig wurde ich unheimlich herzlich empfangen und habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Hiltianer sind ein ganz besonderer Menschenschlag: Selbstbewusst und stolz – auf unsere Produkte, auf unser Unternehmen; loyal und integer; überzeugt von dem, was wir tun und wie wir es tun. Gerne entwickeln wir unsere Leute von intern weiter. Gleichzeitig haben wir erkannt, dass auch externe Impulse wichtig sind, dass Diversität Innovationskraft, Kreativität und Veränderung bringt. So bin ich hierher geraten 😉

Die Hilti-Kultur basiert auf den vier Werten Mut, Engagement, Team und Integrität. Und zwar WIRKLICH, d.h. hier geht es nicht um Unternehmensmarketing oder angesagte Buzz-Words. Diese Werte werden gefördert, mehr noch, gefordert und damit gelebt. Umgekehrt wird die Nicht-Beachtung der Werte nicht akzeptiert. Integrität geht nicht „ein bisschen“; das ist wie mit dem schwanger sein – man ist es, oder man ist es nicht.

Über meinem Schreibtisch hängt ein Aufkleber mit diesem Zitat des Unternehmensgründers:

“Ich betrachte es als meine erste und wichtigste Aufgabe, ein Unternehmensklima zu schaffen, in dem jeder Einzelne seinen Erfolgswillen und sein Engagement entwickeln kann und gleichzeitig Freude an der Arbeit hat. Das ist meiner Ansicht nach die wichtigste Aufgabe des Managements und die ethische Verpflichtung eines Unternehmens.”

Warum ich das so betone?

Weil ich eine derart starke Unternehmenskultur bisher nicht kannte. Und ich schätze es, sowas von. Wir wollen wirklich mutig sein – und nicht wenn Mut zu Fehlern führt, diese bestrafen. Wir erwarten, dass jeder Einzelne sich engagiert, und zwar volle Kanne. Hilti ist im Vergleich zu anderen großen Konzernen unheimlich schlank, „Overhead“ oder Mitläufer gibt’s hier eher wenige. Jeder einzelne ist angehalten, seinen Wert für das Unternehmen zu zeigen. Umgekehrt gibt uns Hilti auch ziemlich viel zurück. Nicht zuletzt den sicheren Arbeitsplatz in einer Krise von nie dagewesenem Ausmaß.

Was sonst noch gut lief

Ich bin angekommen. In einem unserer (zahlreichen und regelmäßigen!) Feedbackgespräche mit meinem Chef, ließ er mich sammeln, worauf ich stolz sei nach diesen ersten Monaten. And here you go:

  • Ich bin ein echter Hiltianer geworden
  • Ich habe mich sehr schnell eingearbeitet
  • Ich bin dabei, aus 13 Menschen ein echtes Team zu formen
  • Meine Kollegen und Kunden arbeiten gerne mit mir zusammen und schätzen mich
  • Ich habe einen positiven Trend in der Performance meines Teams gestartet
  • Mein Team nutzt mich, um besser zu werden (Coaching + nimmt mich gerne mit zum Kunden)
  • Ich bekomme ganz viel positives Feedback
  • Ich habe einen positiven Mindset und Change angestoßen

Das Fazit ist, mein Job macht mir mega Spaß, ich fühle mich gefordert und gefördert, ich kann gestalten und vertreibe so ganz nebenbei tolle und innovative Produkte und Services.

Ist bei Hilti also den ganzen Tag Kuscheln angesagt? Natürlich nicht. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, nervige, operative Themen, anstrengende Kollegen, interne Querelen und im Vertrieb natürlich auch immer einen gewissen Zahlendruck. That’s life; das ist alles normal, wo Menschen zusammenarbeiten.

Corona und so

Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass in diesem Jahr alles anders kam, als wir dachten. Wirklich? Privat, ja. All unsere tollen Reisen wurden abgesagt, immer wieder aufs Neue. Wir konnten unsere Freunde und Familie kaum treffen.

Beruflich? Hm. Ich habe jetzt zwischen den Jahren viel reflektiert über dieses Jahr und natürlich auch die Pandemie. Ich kam zu dem Schluss, dass der berufliche Impact jetzt nicht so wahnsinnig krass war. Vielleicht einen kurzen Moment lang, als der erste Lockdown kam, die wirtschaftliche Krise absehbar wurde und ich Angst hatte, noch in der Probezeit wieder entlassen zu werden. Doch diese Angst hielt nur so lange, bis ich mit meinem Chef darüber gesprochen hatte und er mir alle Sorgen nahm.

#changesarechances

Warum also war diese „Veränderung“ durch Corona ohne ernsthafte negative Auswirkungen für mich?

Weil ich Veränderung erwartet hatte. Ich war darauf eingestellt, dass mein Leben sich in diesem Jahr ändern würde. Ich wusste, dass ich in den nächsten Monaten nichts Gewohntes zu erwarten hatte. Ich habe weder Beständigkeit noch Komfortzone erwartet. Ich habe mich auf die Veränderung gefreut, habe mich auf die Chance gefreut, die ein neuer Job, ein neues Unternehmen, neue Menschen und neue Situationen mir bieten würden.

Klar, vielleicht hatte ich mir das eine oder andere anders vorgestellt; insbesondere hätte ich mir mehr physische Meetings mit meinen Teammitgliedern und Kunden gewünscht. Andererseits kannte ich es auch nicht anders.

Die Quintessenz daraus: Wenn man sich regelmäßig Veränderungen aktiv ins Leben holt und diese mit Freude, positiver Einstellung und als Chance angeht, ist man auch für unvorhergesehene Veränderungen bestens gewappnet!

#trotzdemfreueichmichjetztaufeinbisschenkomfortzone

Nichtsdestotrotz, ich gebe es offen zu: Im Jahr 2021 freue ich mich auf ein bisschen Komfortzone, auf ein bisschen Kontrolle. Wissen, was auf mich zukommt. Ich liebe höher, schneller, weiter, ich liebe Veränderung. Aber auch ein Powerfuchs muss mal verarbeiten. Ich habe ein Jahr mit extremer Lernkurve hinter mir, ich habe aufgesogen, Menschen kennengelernt, bin auf die Schnauze gefallen, wieder aufgestanden, habe Prozesse und Produkte gelernt, Feedback bekommen, reflektiert, mein Verhalten adaptiert, Neues ausprobiert, und nebenher ganz schön viel gearbeitet 😉 Jetzt freue ich mich auf das neue Jahr; in welchem ich dasselbe tun werde – nur, dass ich Vieles schon kenne und besser abschätzen kann, was auf mich zukommt.

Ein Netzwerk kann man auch neu spinnen

Was es übrigens für einen Neustart nicht zwingend braucht, ist ein bestehendes Netzwerk. Die Angst vor dem Verlust eines großen und stabilen Netzwerks sorgt bei vielen Menschen dafür, dass sie einen Unternehmenswechsel nicht wagen. Ehrlicherweise war das auch eine Sorge von mir. Ich war nach 10 Jahren bei meinem ehemaligen Arbeitgeber ziemlich gut vernetzt, kannte immer irgendwen irgendwo, wenn ich etwas brauchte. Doch gerade deshalb wusste ich, dass ich Networking kann. Also gibt es auch keinen Grund, warum man sich nicht in einem neuen Unternehmen ein neues Netzwerk aufbauen kann. Ich habs einfach mal probiert und glaube, es hat ganz gut funktioniert 😉

NEU NEU NEU

Dieses Feedback hat mir mein Chef ziemlich am Anfang mitgegeben: Warum betonst du immer, dass du neu bist und alle anderen es besser wissen/können? Bring die Sachen ein, die DU kannst/weißt/denkst!

Ich hatte darüber ein Weilchen reflektiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass es für die eigene Position wirklich mehr Sinn macht, meine Meinung zu vertreten und wenn ich Hilfe brauche, einfach danach zu fragen; aber ohne dabei ständig zu betonen, dass ich die Neue bin, die erst seit x Monaten bei Hilti ist. Ich wurde schließlich eingestellt, um neuen Wind einzubringen.

Insofern wäre das noch ein konkreter Tipp von mir, wenn ihr neu startet: Hört euch an, wie es gemacht wird, beobachtet, stellt Fragen, saugt Wissen auf („100 Tage Fresse halten“ 😉). Aber hinterfragt auch, seid selbstbewusst und bringt euch von Anfang an aktiv ein.

Was es für den Neustart braucht

Veränderungsbereitschaft, klar, siehe oben. Außerdem braucht ihr Offenheit, Durchhaltevermögen, Lust, Selbstvertrauen und Vertrauen in das neue Unternehmen.

Ein neues Unternehmen bedeutet, dass viele Aspekte sich wiederfinden, insbesondere wenn man schon einige Jahre Berufserfahrung hat. Charaktere wiederholen sich. Aber bei näherem Hinsehen, sind viele Dinge auch anders. Manchmal sind sie gut anders, aber man merkt es gar nicht sofort, weil es erstmal ungewohnt ist. Manchmal sind sie weniger gut anders und es macht Sinn, zu hinterfragen, warum. Manchmal sind sie krass gut anders und man feiert sich und seine Entscheidung bei der Entdeckung. So oder so, man braucht eine gewisse Offenheit, Flexibilität und Lust, das Neue zu entdecken.

Man braucht aber auch Durchhaltevermögen. Insbesondere ich, die ich super ungeduldig bin. Warum geht das nicht schneller? Warum habe ich damit noch keinen Erfolg gehabt? Warum ist diese Preisverhandlung in die Hose gegangen? Warum verstehe ich manche Sachen noch immer nicht zu 100%?
Auch das ein klares Feedback von meinem Chef: Nimm den Druck raus, sei geduldig mit dir selbst. Sei geduldig mit den anderen! Feiere auch die kleinen Erfolge. Das gebe ich direkt weiter! Ein Neustart ist und bleibt ein Neu-start: Alles ist neu, und man steht wieder ganz am Anfang; wenn man sich aber darauf einlässt, wird etwas unheimlich Tolles, Bereicherndes daraus!

Der Wechsel in ein neues Unternehmen, eine neue Umgebung erweitert den persönlichen Horizont ungemein. Ich habe hier ganz andere Führungsstile kennengelernt, neue Herangehensweisen und Methodiken, Strukturen und Menschen. Ich versuche immer, das beste aus beiden Welten zu vereinen: Meine vorhandenen Erfahrungen und Wissen einzusetzen und gleichzeitig möglichst viel Neues dazuzulernen. Für die persönliche Weiterentwicklung ein absoluter Boost!

Achso, und Mut!

Schließlich braucht es auch Mut für einen Neustart. Diesen Abschnitt hatte ich in der ersten Version irgendwie vergessen. Weil, wenn man Veränderungen liebt und auf etwas mega Lust hat, ein solcher Schritt auf mich selbst gar nicht so besonders mutig wirkt. Andere sagen mir aber immer wieder „Wow, das war mutig von dir!“ – und das macht mich dann stolz 😊

DANKE

Ich bin immer nur so gut, wie die Menschen um mich herum, die mich supporten. Es gilt für das Grundsätzliche in punkto Vereinbarkeit von Kindern und Karriere, genauso wie für diesen Neustart. Insbesondere drei Menschen haben dafür gesorgt, dass mein Neustart nicht nur geklappt hat, sondern auch noch ziemlich erfolgreich war:

Mein Chef

Ich hatte es an anderer Stelle mal erwähnt – der „richtige“ Chef ist entscheidend. „Richtig“ gibt es in vielen Ausprägungen, am Ende muss es einfach passen. Ganz ehrlich: Ich war erstmal etwas perplex, als Philipp mir einen Monat nach meinem Start „vorgesetzt“ wurde. Jünger als ich (!) – das hatte ich noch nie gehabt! Insgeheim dachte ich mir, bestimmt so eine überambitionierte Heißdüse 😉 Muss ein Chef nicht väterlich, unheimlich erfahren, und mindestens 10 Jahre älter sein? Natürlich nicht. Es hat nicht mal eine Woche gedauert, um zu merken, dass wir ziemlich gut zusammenarbeiten können. Die Frage „Und wie willst du das hinbekommen mit drei Kids und Vollzeitjob?“ hat er mir nicht ein einziges Mal gestellt.

Danke, Philipp, you made my year! Danke für dein Vertrauen, deine Empathie, dein Feedback, dein Fordern und Fördern, für die Freiheit, die du mir gibst, für die Anerkennung und Wertschätzung und den SPASS im Job! Das sind die Ausprägungen von „richtig“, welche mir persönlich wichtig sind!

Mein Aupair

Auch darüber habe ich schon einmal geschrieben: Es gibt Dinge, die tut man, und im selben Moment fragt man sich, warum man das nicht schon viel früher getan hat. Ein Aupair – das Rundum-Sorglos-Paket für Vollzeit arbeitende Eltern. Keine Ahnung, wie ich jemals denken konnte, eine Aupair könnte ein unangenehmer Eingriff ins Privatleben sein. Im Gegenteil, sie beschert den Eltern Freiheit pur..

..wenn sie Danna heißt. Nach einem Jahr (und das sogar ein Jahr, in dem wir uns in der Familie alle ziemlich auf der Pelle hockten!) bin ich überzeugt davon, dass wir die beste Entscheidung aller Zeiten getroffen haben. Die Kinder lieben Danna, Danna kann wenns drauf ankommt den gesamten Haushalt mit Kind und Kegel alleine rocken.

Danke, Danna, ohne dich hätten wir dieses Jahr nicht geschafft. Danke, dass du nicht ein einziges Mal gejammert oder dich beschwert hast, dass du mit so viel Liebe und Geduld deine Aufgabe als Aupair wahrnimmst. Dass du so herzliche und verlässlich bist, immer da bist, wenn wir dich brauchen. Du machst unsere Familie komplett!

Mein Mann

Ihn gibt es nur einmal, the one and only Hans! Ich glaube, wenn wir uns nicht vor 25 (!) Jahren kennengelernt hätten, als wir in eine Klasse kamen, wäre ich heute nicht diese Theresia. Kein Mensch hat mich so geprägt, unterstützt, und immer, immer, immer an mich geglaubt. Wir sind das krasseste Team aller Zeiten und haben schon so mega viel gemeinsam geschafft. Essentiell, dass das Kind-und-Karriere Modell funktioniert, ist der Partner. Hans ist einer, der Karriere macht, und trotzdem jedes kleinste Stückchen Haushalt und Kinder Orga, oder Home Care und Mental Load und so, mit mir teilt. Und zwar so teilt, dass es für mich am Ende sogar immer noch ein bisschen angenehmer ist.

Danke, Hans, du bist der tollste Ehemann aller Zeiten. Danke, dass du mir gezeigt hast, dass immer alles möglich ist, was man will. Danke, dass du einfach ganz genau so bist, wie du bist: lustig, cool, erfolgreich, gelassen, smart, voller Energie, der beste Papa… Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt und freue mich auf den ganzen Rest unseres gemeinsamen Lebens!

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