Female Future Force Day 2019 in Berlin

ALONE YOU HAVE POWER – TOGETHER WE HAVE FORCE

Ein Tag in Hipster-Berlin, viel Frauenpower und Inspiration, darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut! Ich bin Feministin und liebe es, andere erfolgreiche Frauen zu erleben. Die angekündigten Speaker waren mega (und als Mom in Elternzeit gabs ziemlich viel Rabatt 😉). Also bin ich letzten Samstag nach Berlin geflogen und ihr könnt hier lesen was so ging, wer da war, wen ich toll fand und was meine Gefühle danach sind.

Luisa Neubauer und das Klima

Erstmal hatte ich mir ohne groß nachzudenken vor ein paar Wochen einen Flug gebucht, wofür ich mich dann total geschämt habe, denn das Klima-Thema war ganz groß. Luisa Neubauer hielt die Eingangs Key Note. Ich gebe ehrlich zu, dass ich eher so der Typ „Stimmt, wir müssen auf jeden Fall was machen“ bin, aber nicht aktiv an Fridays for Future Demos oder Ähnlichem teilgenommen habe. Ich gehöre wahrscheinlich zu der laut Luisa großen Masse, die nicht aktiv ist; und mit ihrem Schweigen dafür sorgt, dass die Politik nicht schnell genug reagiert – aus Angst diese Wähler zu verlieren. Das hat mir echt zu denken gegeben. Mir ist klar, dass „ich bin ausgelastet mit drei Kindern, meiner Ausbildung, dem Blog und der Suche nach dem perfekten neuen Job“ wahrscheinlich nicht zählt. Bisher bin ich noch nicht viel weiter gekommen, als Wählen zu gehen und mir Wir sind das Klima bei Audible runterzuladen.
Und dieses ungute Gefühl hielt die ganze Zeit an, während Luisa sprach. Sie ist eine tolle Rednerin und ich war beeindruckt, wie ein so junger Mensch sich einfach vor so viele Leute stellt und von solch wichtigen Dingen spricht. Gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob die Worst-Case-Szenarien mich nicht eher lähmen als motivieren, etwas zu tun. Mit meinem Mann habe ich am nächsten Tag lange darüber diskutiert, ohne wirklich zu einem Schluss gekommen zu sein. Ich halte nicht viel von Blaming und ich kann so Gutmenschen und Moral-Apostel nicht ausstehen; ich würde mir nie anmaßen, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun haben und schon gar nicht sie für ihre Meinung und ihr Handeln zu verachten. Aber Nichtstun ist keine Alternative; unter all den FFF Ladies komme ich mir zwar wie der berühmte „Laggard“ vor. Trotzdem, es macht Sinn, mitzumachen, egal wann. Und ein bisschen ist es mit Luisas und Gretas dieser Welt wie mit der Frauenquote: Man kann dafür sein oder dagegen – wichtig ist, dass über ein wichtiges Thema gesprochen wird, dass es publik wird, dass alle sich damit beschäftigen, damit sich etwas ändert.

„Wie ihr richtig glücklich im Job werdet“ mit Janina Kugel & co.

Dieses erste Panel war super! Sehr kurzweilig, relevante Themen und tolle Frauen (und Männer).
Janina Kugel, CHRO von Siemens, hat mitgeteilt, dass sie den Job ab dem neuen Jahr nicht mehr machen wird. Umso spannender, ihre Insights zum Thema glücklich im Job zu hören. Besonders hilfreich war ihre Meinung bzgl. was wir im Konzern überhaupt bewirken können: „Packt die Themen an, in denen ihr auch etwas verändern könnt, also Wo kann ich wirken?, dann hat es auch eine große Wirkung.“ Klingt vielleicht etwas banal, aber gerade in meinen Coachings lande ich mit meinen Klientinnen immer wieder beim „Circle of Influence“. Denn wenn ich auf etwas (z.B. Rahmenbedingungen oder andere  Menschen) sowieso keinen Einfluss habe, dann brauche ich mir auch nicht den Kopf zermartern, wie ich es ändern kann. Außerdem ihr Tipp an alle Frauen: „Ihr müsst fordern – wenn ihr nicht fordert, gibt euch keiner was freiwillig!“
Nach dem Panel hatten wir in einer ganz kleinen Gruppe die Gelegenheit, mit Janina persönlich zu quatschen. Sie ist eine ganz tolle Persönlichkeit, die super easy und offen ist, gleichzeitig aber sehr charismatisch und authentisch. Auf die Frage wie es im neuen Jahr weitergeht sagte sie nur, dass es eher kein vergleichbarer Job wird. Ich bewundere ihre Entscheidung und bin gespannt, welche Projekte sie zukünftig machen wird. Auf jeden Fall hatte ich nach dem Treffen dieses Gefühl von „Ok, mir ist klar warum eine wie sie es so weit nach oben geschafft hat.“

Einhörner und Hierarchie

Sehr interessant war auch Waldemar Zeiler von „Einhorn“. Irgendwie ein crazy Typ, der die eher Konzern-lastige Panel-Runde als Moderator kräftig aufgemischt hat. Seine Einblicke in die Firma, in der es keine Hierarchien gibt, fand ich gleichermaßen spannend wie auf den ersten Blick befremdlich. Sicherlich gibt es unterschiedliche Interpretationen und auch etwas zwischen einem hoch-hierarchischen Patriarchen-System im Großkonzern und dem hippen, hierarchielosen Chaos im Startup. Interessant fand ich ein Firmenbeispiel (hab vergessen welche) von Anka Wittenberg, in welchem es 30 CEOs gibt: Jeder bringt regelmäßig seine zu treffenden Entscheidungen vor und alle müssen zustimmen. Wer nicht zustimmt, muss an einer Lösung arbeiten. Also auch hier ganz viel Denk-Anregungen zu alternativen Organisationsformen (siehe auch meinen Blogeintrag zum Buch „Selbstorganisation braucht Führung“).

Gründer-Stars und Vereinbarkeit

Gefühlt waren unter den Teilnehmerinnen (und Speaker/innen) mehr Menschen aus der Gründerszene als mit einem Background wie dem meinigen. Entsprechend gab es ein Panel zum Thema „Wieso vier Prozent Gründerinnen ein Skandal sind und was sich jetzt ändern muss“ mit Franziska von Hardenberg (Holy Goldy), Pia Frey (Opinary), Lea-Sophie Cramer (Amorelie) und Chanyu Xu (Her1). Ich finde die Ladies alle sehr inspirierend und habe mich ein bisschen gefühlt wie vor vielen Jahren, als ich mal als Komparse bei Verbotene Liebe mitgemacht habe: „Hi Ansgar, hi Andi, wie geht’s, cool euch zu sehen!“. Ich folge diesen Frauen bei Instagram, bin dadurch eigentlich schon up-to-date und es fühlte sich ein bisschen so an, wie alte Bekannte endlich mal wieder zu treffen. Ein aufregender aber irgendwie auch komischer Side-Effekt der sozialen Medien.

„Das ewige Thema Vereinbarkeit – Wie kommen wir als Gesellschaft endlich voran?“ hat mich natürlich besonders interessiert. Philipp Menn, bekannt als ARD Moderator, hat seine sehr fortschrittliche Meinung zum Thema Vereinbarkeit kundgetan. Und gerade weil er nicht so getan hat, als wäre er schon immer der große Feminist gewesen und für ihn selbstverständlich immer klar gewesen, dass er sich Job wie Carearbeit 50/50 mit seiner Frau aufteilt, macht ihn so authentisch. Mein Lieblingszitat: „Frauen, nagelt die Männer fest!“.
Ansonsten konnte die Frage im Panel natürlich leider nicht beantwortet werden. Es fiel die Aussage „Doppelt-Vollzeit ist auf keinen Fall das neue Idealmodell“. Ich finde aber schon, dass es ein sehr lohnenswertes Modell ist. Und zwar dann, wenn wir endlich anfangen, auch wirklich Vollzeit zu arbeiten und nicht 150%-Zeit – siehe dazu auch mein Blogartikel “Zeit ist Geld“.

Der Höhepunkt mit Charlotte Roche

Am Ende kam dann plötzlich noch crazy Charlotte Roche, irgendwie so halb als Überraschungsgast, und wurde interviewt von crazy Einhorn-Waldemar. Waldemar trug ein Scheidenkostüm (richtig gelesen, kein Autokorrekt) und Charlotte startete mit der Aussage, dass heute der Beginn ihrer Periode sei. Daraufhin stießen die beiden mit einer Menstruationstasse an, aber nicht mit Sekt, denn Charlotte ist laut eigener Aussage trockene Alkoholikerin. Puh, naja, für meinen Geschmack irgendwie etwas too much information. Das Geplänkel fand ich anfangs etwas anstrengend, dann wurde Charlottes Mann noch telefonisch dazugeschaltet. Die beiden haben einen gemeinsamen Podcast, Paardiologie, in dem es wohl irgendwie um ihr Liebesleben geht. Seine Antwort auf die Frage, ob er ein Feminist sei, fand ich ziemlich cool und erwähnenswert: „Wie kann man heutzutage als Mann, der einigermaßen sauber tickt, KEIN Feminist sein?!?“. Es war natürlich toll, die berühmte Charlotte Roche mal live zu erleben, wobei mir dabei auffiel, dass ich seit über zehn Jahren eigentlich immer mal vorhatte, „Feuchtgebiete“ zu lesen und es bis heute nicht geschafft habe. Vielleicht mache ichs jetzt, denn sie ist eine interessante Persönlichkeit und ich fand ihren Rat „Fake it till you make it“ cool; ihr Vater gab ihr wohl zu ihrer Zeit als VIVA-Moderatorin den Tipp „Geh zu VIVA und sag, dass du ein Angebot von MTV hast“ – was sie dann auch erfolgreich getan hat.
Insgesamt war mir das persönlich etwas zu viel Offenheit; aber auch hier finde ich, muss jeder sein ganz persönliches Maß finden. Es gibt auch Menschen, denen wäre mein Blog hier schon viel zu persönlich für die Öffentlichkeit.

Mein Fave: Verena Pausder

Mein Favorit unter all den tollen Frauen war auf jeden Fall Verena Pausder. Sie ist erfolgreiche Unternehmerin und eine gewinnende Persönlichkeit mit sinnvollen Ansichten in Bezug auf Vereinbarkeit, Frauenpower, Digitalisierung.. und damit ein echtes Role Model für mich! Ich habe nicht alle ihre Vorträge gehört, aber folge auch ihr natürlich auf Insta und fand es mega, mit ihr persönlich zu sprechen. Ihre Ausstrahlung ist der Hammer und ich bin mir sicher, dass wir von ihr noch viel hören werden.

Und sonst so..

Unter all den Berliner Hipstern kam ich mir ganz schön spießig vor als Bonner Vorstad-Mom 😉 Aber genau das macht solche Veranstaltungen ja immer aus, das über den Tellerrand schauen und in ganz andere Welten eintauchen. Und ich habe mich klamotten-technisch sehr inspiriert 😉 Ansonsten fand ich die beiden Edition F Gründerinnen Nora Vanessa und Susann richtig toll und habe mir natürlich das obligatorische T-Shirt gekauft, für meine Töchter gleich mit (im Nachhinein hätte ich meinem Sohn auch eins kaufen müssen..). Nervig war nur das permanente Anstehen – für Kaffee, Essen, Kopfhörer, Koffer. All in all war die Atmosphäre toll und ich würde den FFF Day absolut empfehlen. Ich werde nächstes Jahr wieder am Start sein!

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