Karriere, Baby! (4/10)

4.    DER RICHTIGE PARTNER

Den „richtigen“ Partner an seiner Seite zu haben ist KRASS entscheidend. Nicht umsonst stelle ich dieses Kapitel so weit nach vorne.

Im prä-Kinder Leben kommt das noch gar nicht so klar heraus; da kann es noch richtig witzig sein, auf böse Jungs zu stehen. Post-Kinder ist es dann mitunter zu spät – Trennung ist heute keine Schande mehr, aber der Kindsvater bleibt ab jetzt für immer der Kindsvater. Ich hoffe daher, dass ganz viele junge Leute mein Buch lesen, die sich partnertechnisch noch nicht 100%ig festgelegt haben.

Aber natürlich will ich euch nicht Angst machen, sondern positive Beispiele präsentieren und auch ein paar Tipps aus eigener Erfahrung weitergeben. Denn Kinder und Karriere bedeuten nun mal eine echte Challenge für die Beziehung, das will ich gar nicht schönreden. Um euch trotzdem vor dem Worst-Case-Szenario zu bewahren, präsentiere ich euch am Ende des Kapitels die drei häufigsten Typen, mit denen eure Elternzeit unter Umständen nicht ganz so perfekt wird.

By the way: Dieses Kapitel fokussiert natürlich stark auf Männer als Partner, denn nur aus der Sicht der Frau kann ich meine Erfahrungen schildern. Dennoch ist der allgemeine Teil für beide Geschlechter relevant – versprochen! Und vielleicht erkennt sich der eine oder andere Mann ja ein klitzekleines bisschen in einem der Antitypen und gelobt Besserung, um sich die Liebste zu erhalten.

Gleichberechtigung par excellence

In einem meiner Sportkurse mit Baby habe ich die Tage Julia kennengelernt. Julia ist 38, verheiratet und hat gerade ihr zweites Kind bekommen. Die Kleine ist jetzt sechs Monate, und nächsten Monat geht Julia wieder voll Arbeiten. „Cool!“ meinte ich – ich LIEBE es ambitionierte Frauen kennenzulernen. „Und hast du schon einen Betreuungsplatz?“ – „Ja, ab Herbst. Aber jetzt bleibt ja erstmal mein Mann sieben Monate zuhause.“ – „MEGA!“

Im Laufe des Gesprächs entpuppen sich Julia und ihr Mann zu einer echten Vorzeige-Gleichberechtigungsfamilie (mehr dazu im Interview mit Julia im Anschluss an dieses Kapitel). Elternzeit 50/50 und nach den Kindern jeweils 85% Stellen. Als ich schließlich total begeistert sage „Wow, da hast du dir aber einen tollen Mann geangelt!“ meint Julia ganz cool: „Naja, das war ja schließlich die Bedingung, dass er mich heiraten darf.“

Kommunikation ist key

Das Beispiel von Julia und ihrem Mann zeigt deutlich einen sehr wichtigen Aspekt für das Gelingen von Kind und Karriere: Kommunikation. Es bietet sich an, mit aktiver Kommunikation bereits VOR der Kinder-Entscheidung zu beginnen. Klingt banal, ist es aber nicht. Und ich bin mir sicher, die meisten von euch wissen das. Denn Männer und Frauen sind nun mal verschieden und kommunizieren, denken, handeln und fühlen dementsprechend unterschiedlich.

Insofern empfehle ich allen, mit dem Partner ständig in Kontakt zu bleiben. Ich empfehle auch, möglichst frühzeitig die jeweiligen Lebensvisionen miteinander auszutauschen. Das muss aber etwas konkreter sein als „Ist doch klar, wir wollen beide mal Familie, zwei Kinder, ein Häuschen und hier und da schön in Urlaub fahren.“ Bei dieser Planung fallen mir auf Anhieb mindestens 50 Fragen ein: Wann wollt ihr Familie? Wo das Häuschen? Wie finanziert ihr das Häuschen? Wer kümmert sich um die Kinder? …

 Frauen sind Planungsfreaks

Hier könnt ihr jetzt einwenden: Wie schrecklich, wie langweilig, wenn man sein ganzes Leben von A-Z plant! Und grade junge Frauen haben oft noch ein ganz anderes Problem: „OMG, damit vergraule ich meinen Freund! Der will jetzt doch noch nicht mit mir über Kinder sprechen!“

Diese Einwände sind berechtigt! Gerade Männer in den Zwanzigern ergreifen eher die Flucht, als mit ihrer Freundin über Kinder- und Karriereplanung zu sprechen. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Wir waren gerade 18, das erste Mal so richtig verliebt ich malte mir in meinen Träumen schon mein späteres Leben aus, mit ein paar süßen Kindern und einer tollen Karriere. Mein damaliger Freund (und heutiger Mann) reagierte total verständnislos und sagte nur sowas wie „Bis dahin haben wir aber doch noch sooo viel zu erleben – reisen, studieren, Parties.“. (So war es dann glücklicherweise auch.)

Zehn Jahre später (wir waren wieder mal zusammen) ging ich auf die 30 zu und wurde etwas unruhig. Wieder sprach ich das Thema an; insgeheim hätte ich mir etwas gewünscht wie „Ok, lass uns nächstes Jahr heiraten, und danach direkt Kinder bekommen.“ Doch keine Chance. „Also wir haben noch so viel Zeit, jetzt lass doch erstmal das Leben genießen, wo wir endlich so unabhängig sind und unser eigenes Geld haben.“

Warum wir Frauen diese Themen so gerne planen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es evolutionsbedingt, um uns Nachwuchs zu sichern. Und weil wir die Familienplanung immer weiter nach hinten schieben, tickt dann auch irgendwann die biologische Uhr (in meinem Umfeld meist so ab 30, ganz laut aber dann mit 35; das Alter, ab dem die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, sinkt).

Auf das Bauchgefühl hören

Die gute Nachricht für beide Geschlechter ist: Weder wollen Frauen, nur weil sie Themen wie Hochzeit oder Kinder ansprechen, den Mann gleich festnageln. Noch sind Männer schlechte Ehemänner und Väter, nur weil sie noch keinen minutiösen zehn-Jahres-Plan in petto haben. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist schon mal, sich dieser Unterschiede bewusst zu sein. Und der zweite ist dann, WIRKLICH offen miteinander zu reden.

Auch hier gibt es keinen goldenen Weg. Ist man sich mit Mitte 20 bereits sicher, die große Liebe gefunden zu haben, genügt vielleicht auch erstmal die grundsätzliche Aussage, dass der Mann Kinder möchte und dass er bereit ist, eine Karriere für beide zu ermöglichen. Lernt man sich erst mit Mitte 30 kennen, geht’s sicherlich etwas schneller ans Eingemachte.

Es gibt aber einfach ein paar Rahmenparameter, über die man sprechen sollte. Über die zu sprechen im Übrigen auch richtig Spaß macht!

Außerdem müssen die Basiswerte passen. Wenn du also vor hast, Kinder und Karriere zu haben, dann sollte das dein Partner wissen – von Anfang an. Das Tolle ist ja, dass man dann zusammen Pläne schmieden kann, wie man es gemeinsam managen kann. Ebenso ist es sinnvoll, vorher zumindest mal eine Zeitlang zusammen gewohnt zu haben. Denn übertriebene Sauberkeitsticks können genauso wie extrem zeitaufwändige Hobbies in Zeiten von Kindern und Karriere zum Showstopper werden, wenn man plötzlich viel weniger Zeit hat.

Schlussendlich kann man bestimmte Einstellungen auch über Verhaltensweisen „lesen“, ohne exzessiv darüber sprechen zu müssen. Redet dein Liebster also gerne von seiner tollen Mutter, die sich so liebevoll um ihn und seine Geschwister gekümmert hat und jeden Mittag mit einem super leckeren Essen auf die Kinder gewartet hat, um sie anschließend zu Fußball, Flöte, Tennis und Turnen zu fahren, dann solltest du sein „Klar machst du Karriere, Schatz“ ernsthaft hinterfragen.

Wir brauchen Vorbilder

An dieser Stelle sind wir wieder bei meinem Lieblingsthema Vorbilder. Ich glaube, dass die eigenen Eltern als Vorbilder nicht zu unterschätzen sind. Meine eigene Mutter beispielsweise hat mit vier Kindern immer gearbeitet, so dass es für mich vollkommen selbstverständlich war, das genauso zu tun. Jedoch gibt es auch noch immer Männer, die dem patriarchalischen Vorbild des eigenen Vaters nacheifern („Meine Frau braucht nicht zu arbeiten“), einfach weil es so bequem und angenehm ist.

Doch keine Panik, das bedeutet auf gar keinen Fall, dass das das so sein muss. Im Gegenteil, ich habe auch genug Bekannte, deren Mutter nur zu Hause war, und die dann mit der Leere, als die Kinder aus dem Haus waren, nicht mehr klarkam. Und die genau deswegen immer arbeiten möchten. Oder Männer, die Lust haben, die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen, und nicht wie die eigenen Väter erst nach Hause kommen wollen, wenn die Kleinen längst schlafen.

Bleibt im Gespräch, tauscht euch aus. Sucht euch gemeinsam Vorbilder, Familien, die euch inspirieren. Aber sprecht auch über negative Beispiele („So wollen wir mal nicht werden!!“).

Wir alle ändern uns

Es ist auch deshalb wichtig, in einem guten Austausch mit dem Partner zu bleiben, um mitzubekommen, wenn jemand sich oder seine Meinung, seine Vorstellungen ändert. Das passiert meist nicht über Nacht. In meinem Umfeld gab es mal eine Scheidung: Er ist sich sicher „ich habe doch von Anfang an gesagt, dass ich mal Karriere machen möchte und das für mich Vorrang hat.“ Sie wollte immer viele Kinder und ist sauer, dass sie mit zunehmender Kinderzahl auch zunehmend beschäftigt ist „und eigentlich doch auch immer Karriere machen wollte.“ Es ist total valide und normal, dass sich die eigenen Vorstellungen im Laufe des Lebens ändern. Da kann auch die Hausfrau nochmal Bock auf Karriere bekommen – man muss eben einfach nur darüber reden und dann gemeinsam eine Lösung finden.

„Sorry, aber in meinem Job geht Elternzeit einfach nicht“

So weit muss es heutzutage nicht mehr kommen. Wir alle wissen, dass veraltete Rollenbilder zwar noch existieren, es jedoch absolut salonfähig ist, diese komplett aufzubrechen. Aussagen eurer Partner wie „Bei mir im Job / Unternehmen geht (mehr als einen Monat) Elternzeit nehmen aber WIRKLICH nicht.“ kann und sollte man freundlich hinterfragen und diskutieren.

Kein Arbeitgeber findet das besonders witzig, wenn gerade die guten Leute für zwei bis zwölf Monate einfach mal so verschwinden. Aber damit das „normal“ wird, müssen endlich genug Leute damit anfangen. Damit diese Menschen dann Karriere machen, irgendwann das Sagen haben und aus ihrer eigenen Erfahrung dafür sorgen, dass es alle so machen können. Und irgendwann merken dann alle, wie toll das eigentlich ist, denn die wenigsten Eltern kommen nach der Elternzeit dümmer oder unmotivierter zurück. Im Gegenteil:

Vorzeigeunternehmen Google

Fredy ist 36 und arbeitet bei Google. Google, bekannt als innovatives und erfolgreiches Unternehmen, ermöglicht seinen Mitarbeitern nicht einfach nur die gesetzlich vorgeschriebene Elternzeit zu nehmen. Das Unternehmen legt sogar noch einen drauf: „Zusätzlich zur staatlichen Elternzeit habe ich von Google drei Monate extra bekommen – bei vollem Lohnausgleich.“ Fredy genießt seine Elternzeit mit Frau und Kind in vollen Zügen und ist im Anschluss wieder umso motivierter für Google am Start.

In der Schule

Mein Vater ist Direktor eines Gymnasiums. Und hats manchmal ganz schön schwer, denn Lehrer gehen gerne in Elternzeit. Da sie verbeamtet sind und die Laufbahn mehr oder weniger klar vorgegeben ist, ist die „Hemmschwelle“, Elternzeit zu nehmen auch viel niedriger. Schlecht für den Schulbetrieb, für das Direktorat bedeutet das oft hohen Organisationsaufwand. ABER: So ist es nun mal. Kinder kriegen gehört zum Leben dazu, und Frauen wollen heutzutage arbeiten. Das Thema muss überall zum Selbstverständnis werden.

„Elternzeit ist nach meiner Überzeugung eine positive Errungenschaft für junge Familien, die selbstverständlich auch Lehrerinnen und Lehrern zugutekommen muss. Eine kurzzeitige Inanspruchnahme von Elternzeit kann bei uns meist durch die solidarische Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen zur Mehrarbeit kompensiert werden. Nach meiner Erfahrung wird auf schulische Belange (z.B. Abiturzeit) bei der Inanspruchnahme in aller Regel Rücksicht genommen. Bei längeren Zeiten würde ich mir als Schulleiter allerdings wünschen, dass die Elternzeiten möglichst zum Schuljahresbeginn oder zum Halbjahr starten bzw. enden, da ansonsten kaum eine Ersatzkraft zu bekommen ist und somit Unterrichtsausfall oft vorprogrammiert ist.“

Klaus Gerlach, OStD Riemenschneider Gymnasium Würzburg

Wie es bei uns war

Gleichberechtigung und so

Meine Tipps entstehen natürlich nicht, weil bei uns immer alles perfekt lief oder läuft. Mein Mann hat nämlich auch so einen Job, wo länger aussetzen nur gaaaanz schwer möglich ist. Wo Elternzeit, welche über einen Monat hinausgeht, sogar schädlich  für die Karriere ist! Wo man noch sehr konservativ ist, wo man in den ersten Jahren gaaaanz doll ackern muss, wenn man mal Karriere machen möchte. Man wird dort noch schief angeschaut, wenn man Elternzeit nimmt. Und wo Frauen es eher schwer haben (das stimmt zugegebenermaßen).

Jetzt muss Gleichberechtigung nicht immer exakt 50/50 sein, wie bei Julia. Aber ich hatte mir das eigentlich schon so in etwa vorgestellt. In der ersten Elternzeit kamen wir um die harten Diskussionen herum: Mein Mann konnte für ein Jahr einen Postdoc Job in San Diego machen (im Gegensatz zum Klinikalltag ein herrlicher 9-5 oder sogar 10-4 Job). Ich habe meinen Master gemacht und wir hatten eine Nanny. Kind #2 kam direkt in den USA hinterher, so dass wir das Modell um ein Jahr verlängert haben. Es hat bestens funktioniert, wir hatten beide nicht unseren normalen Job, aber trotzdem was für die Karriere getan und sehr viel Zeit für die Kinder.

Bei Baby #3 hatten wir dann harte Diskussionen während der Schwangerschaft. Wir beide waren in den vorangegangen drei Jahren so richtig vorwärtsgekommen in unseren Karrieren – er habilitierter Oberarzt an einer Uniklinik, ich Führungskraft im mittleren Management eines Konzerns. Beide in Vollzeit. Ich wollte gerne nach einem halben Jahr zurück, die Kleine dann aber nicht schon direkt in die Vollzeitbetreuung geben. In meiner Vorstellung wäre dann mein Mann nochmal ein halbes Jahr zuhause geblieben.

„Mehr als zwei Monate Elternzeit sind unmöglich.“

Unmöglich. Grade läufts so richtig bei ihm, er hat noch die Verantwortung für einen neuen Bereich bekommen. Er ist total d’accord, dass ich wieder voll arbeiten gehe nach einem halben Jahr, aber mehr als zwei Monate Elternzeit am Stück sind echt nicht drin bei ihm. „Dann kommt die Kleine eben bisschen eher in die Kita oder wir holen uns eine Tagesmutter, das ist doch kein Problem.“ Für mich schon. Und weil ich eine dieser Rabenmütter bin geht’s mir bei dieser Diskussion noch nicht mal um meine Tochter, sondern ums Prinzip.

Klar, ich bin eine Frau, da rechnet man (in Deutschland) irgendwie damit, dass sie nicht nach sechs Wochen wieder auf der Matte steht. Aber von der Schwangerschaft und dem Stillen mal abgesehen gibt es einfach KEINEN Unterschied zwischen meinem Mann und mir!! Die Kinder gehören uns zusammen, und wir haben gemeinsam die Verantwortung. Genauso, wie ich logischerweise meine Karriere im Unternehmen auch nicht durch meine Abwesenheit vorantreiben kann.

Und dann hat sich am Ende doch wieder alles von alleine gefügt. Ich habe mich entschieden, aus dem Konzern zu gehen. Es gab und gibt tausend Dinge, die ich schon immer mal machen wollte. Eine Ausbildung zum Coach, ein Ferienhaus in der Provence, einen Blog schreiben. Also habe ich mir überlegt, dass das dann im Gesamtpaket doch eigentlich ziemlich gut so für mich passt. So sind wir beim Klassiker gelandet: Er zwei Monate Elternzeit, ich zwölf. Denn ich bin der Meinung, dass Elternzeit ein Geschenk ist, für sich, seine Kinder und vor allem die eigene Karriere. Auf dieser meinen Erkenntnis basiert dieses Buch.

Was ist die Quintessenz?

Wie gesagt, Gleichberechtigung muss nicht immer 50/50 in Allem bedeuten. Frauen sind keine Männer und umgekehrt, unsere Interessen sind mitunter verschieden. Hauptsache, man findet als Eltern einen gemeinsamen Weg, der für beide passt, der beide weiterbringt. Der die Karrieren von Mann und Frau als gleichwertig ansieht, und zwar unabhängig von Status und Gehalt!!
Ich finde es schlimm, wenn man sich einfach den Konventionen hingibt à la „Er verdient ja sowieso mehr als ich…“. Und hätte ich nicht die Erfahrung aus meiner ersten, verlängerten Elternzeit gesammelt, dass selbst eine zweieinhalbjährige Auszeit der Karriere null schadet, hätte ich wahrscheinlich noch ein bisschen härter gekämpft.

Der Vorteil in unserer Beziehung ist, dass wir uns schon ewig kennen (seit wir zwölf sind). So haben wir unsere Vorstellungen vom Leben über viele Jahre gemeinsam entwickelt, auch wenn wir in diesen Jahren nicht immer zwangsweise liiert waren. Wir kennen unsere Eltern gegenseitig bestens und wissen, was gut gelaufen ist, und was nicht funktioniert hat. Wir haben dieselben Grundwerte und uns war und ist immer klar, dass wir beide Karriere machen möchten, aber nicht um jeden Preis. Das hilft immens.

In Zukunft erübrigen sich solche Kämpfe zum Glück. Wenn ihr dieses Buch gelesen habt, werdet ihr euch darum streiten, wer länger Elternzeit nehmen darf!

Meine ganz persönlichen Learnings und Tipps für euch

  1. Der perfekte Partner

Der perfekte Partner für das Gelingen eurer Elternzeit weist folgende Eigenschaften auf: er/sie ist verlässlich, ihr könnt ihm/ihr zu 100% vertrauen, er/sie übernimmt Verantwortung. Und er/sie sollte eine gewisse Leichtigkeit mitbringen, gelassen sein können; denn eine übermäßige Verbissenheit – sei es im Job oder in Bezug auf die Kinder – wird auf jeden Fall zu Problemen führen. Sixpack, schöne Haare oder knackiger Hintern sind nice to have aber nicht unbedingt notwendig.

  1. Gleiche Beteiligung ab Geburt!

Gerade am Anfang ist es so krass wichtig, dass ihr euch gleichermaßen an der Aufzucht des neuen Babys beteiligt! Ich kriege die Krätze wenn ich Sätze höre wie „Ach, mein Mann hat am Anfang eine Woche Urlaub, aber er kann ja sowieso nicht viel machen. Deshalb nimmt er Elternzeit wenn das Baby älter ist und wir machen eine schöne Reise.“ So ein Bullshit!! Das Einzige, was ER nicht machen kann, ist stillen. Das absolut Einzige!

Ich gebe zu, bei uns war es Zufall beim ersten Kind: Wir wollten zwei Monate später in die USA umziehen, also hatte mein Mann diese zwei Monate frei. Warum ist das so wichtig? Nur, wenn man diese intensive Zeit so richtig mitmacht, versteht man auch so richtig was das Ganze mit dem Baby eigentlich bedeutet (an Arbeit). Von Bonding und co. ganz zu schweigen, aber das ist nicht mein Fachgebiet, das überlasse ich den Hebammen.
Wenn sich der Mann in dieser Zeit ins Gästezimmer verdrückt wenn das Baby nachts schreit, wird er niemals nachvollziehen können, was seine Frau mitmacht. Er wird auch nicht diese gleiche, innige Beziehung zu seinem Kind haben. Die schlimmen Folgen: Er KANNS einfach nicht (denn er hats ja nicht gelernt); Folge: er traut sich kaum zu, das Baby auch mal alleine zu hüten; Folge: die Mama tuts auch nicht; Folge: die Mama gibt das Baby nicht ab – und wenns nicht mal der Papa hinbekommt, wer dann? Folge: Die Mama geht nie wieder arbeiten. Ok, das war das Worst Case Szenario, aber ich denke ihr habt den Punkt verstanden. Zusätzlich ist es sehr hilfreich, mal in der Rolle des jeweils anderen gewesen zu sein, um Verständnis füreinander aufzubringen.

  1. Gegenseitiges Coaching statt Konkurrenz

Vermeidet Neid und Konkurrenz untereinander! Wie ich auf diesen seltsamen Punkt komme? Ich habe selbst ein klitzekleines bisschen die Anlage. Und das schadet mega. Man fängt dann an aufzurechnen: „Du konntest x Monate länger arbeiten!“ (freu dich lieber, dass du x Monate NICHT arbeiten musstest, denn Arbeit hast du noch genug im Leben) – bis hin zu „Du hast eine Stunde länger geschlafen dieses Wochenende!“ (ja, so kleinteilig wird’s unter Schlafentzug). In der Liebes-Tipps-Kolumne der Brigitte war das letztens Thema. Der simple, aber einleuchtende Ratschlag des Experten: Lasst das Aufrechnen einfach bleiben.
Ihr seid ein Team! Freut euch, wenn eure Liebste beruflich so richtig weiterkommt, denn dann liegt die Bürde des Für-die-Familie-sorgens nicht allein auf euren Schultern. Tauscht euch zu euren Karrieren aus, coacht euch gegenseitig. Keiner kennt euch besser als euer Partner. Hier ist es egal, ob ihr im gleichen Metier seid oder nicht. Helft euch gegenseitig und fiebert bei der Karriere des anderen mit!

  1. Sonnenkind und Schattenkind

Trotzdem werdet ihr nicht umhinkommen – die Elternzeit ist eine Phase, die grundsätzlich anfällig für Streitereien ist. Das ist normal. Die neue Verantwortung für das Kind, permanenter Schlafmangel, ein komplett anderer Alltag. Ihr werdet das überstehen, wenn ihr zwei Dinge beachtet: 1. Immer davon ausgehen, dass der Andere auch sein Bestes gibt und 2. Immer respektvoll miteinander umgehen.

Um kleinere Streitigkeiten zu vermeiden empfehle ich übrigens das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ – für mich war das Selbsterkenntnis pur. Und wenn man erstmal weiß, wer das eigene Schattenkind ist, sprich verantwortlich für die eigenen negativen Verhaltensweisen, dann kann man gleich viel besser damit umgehen.

  1. Rollenverteilung und Ressourcenteilung

WHAT? Genau, ihr lest richtig. In manchen Lebenslagen ist eine klare Rollenverteilung sehr hilfreich. Nicht umsonst hat das ja Jahrzehnte lang gut funktioniert in Deutschland – einer arbeitet, die andere macht den Haushalt. Ich meine natürlich nicht DIE Rollenverteilung. Vielmehr die grundsätzliche Aufteilung von Aufgaben. Es ist super, wenn man weiß, den Einkauf per se nicht erledigen zu müssen. Oder das Auto immer vollgetankt ist. Oder die Kinder zum Kindergarten gebracht werden.

Und dann die gemeinsamen Ressourcen zusammenschmeißen. Vor allem Geld. Klar will jeder auch irgendwie unabhängig bleiben. Das ist gut und wichtig so. Bei uns hat zum Beispiel jeder nach wie vor sein eigenes Konto, dort kommt das Gehalt drauf. Und dann noch das gemeinsame Konto, wo jeder denselben Betrag überweist und alle Fixkosten von abgehen. Doch in der Elternzeit wird’s schwierig! Denn Einer bekommt in diesem Fall nur 60% seines Gehaltes.

Hierzu gab es mal eine spannende Debatte auf Instagram, wo Aleandra Zykunov gefragt hat „Wie macht ihr das eigentlich?“. Viele Familien machen das schon ziemlich gut – von Einzahlungen des Ehemanns in die Altersvorsorge der Frau, bis hin zu monatlichen Zahlungen auf das Konto der Frau, so dass beide monatlich das gleiche Netto haben. Und das ist gut so! Denn den Partner um Geld bitten zu müssen nervt. Das kann nicht gut sein für eine Beziehung, bringt den Einen in eine unterwürfige Rolle.

  1. Perspektivenwechsel und gegenseitige Anerkennung

Versetzt euch in die Lage eures Partners! Und zwar aktiv. Stellt euch vor, ihr hättet einen harten Arbeitstag gehabt. Ärger mit dem Chef, unsinnige PowerPoint-Präsentationen oder einfach zu viel zu tun. Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr nach Hause kommt? An dieser Stelle erzähle ich immer eine Anekdote aus meinem eigenen Leben:

Ich hatte bis 16h gearbeitet, um 16:15 die zwei Kids aus der Kita geholt, den Nachmittag mit den Kindern verbracht und war ziemlich platt. Am frühen Abend rief ich meine Oma zum Geburtstag an und erzählte, dass mein Mann gleich heimkäme und ich total fertig von Job und Kindern sei. Da meinte meine Oma ganz ungerührt: „Na, dann reißt du dich jetzt zusammen, ziehst dir was Schönes an, bereitest was zu essen vor und erwartest ihn mit einem Lächeln.“ Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte.

Die Geschichte hat zwei relevante Aspekte:

  1. Zum Glück hat weder mein Mann solche Erwartungen, noch bin ich Perfektionist genug. Doch gerade wir Frauen haben heutzutage genau dieses Problem: Wir sind emanzipiert, ambitioniert, erfolgreich im Job; und wollen gleichzeitig Familie. Doch statt andere Aufgaben, die noch aus veralteten Rollenbildern stammen, dafür einfach aufzugeben, halsen wir uns alles gleichzeitig auf. Und das geht einfach nicht!! Also lasst die Bude einfach mal unordentlich und esst statt 3-Gänge-Menü ein Käsebrot.
  2. aber ist der Tipp meiner Oma trotzdem nicht ganz unrelevant: Denn manchmal hilft es schon, sich einfach mal zusammenzureißen, statt zu jammern. Überlegt mal, was das für einen Effekt erzielen würde, wenn euer Partner euch ganz anders als erwartet vorfinden würde nach so einem Tag? Und es muss ja nicht alles auf einmal sein. (Ich habe an dem Abend auf umziehen und Essen kochen verzichtet, aber gelächelt).

Die No-Go Typen, wenns um Kind und Karriere geht

Last but not least kommen hier jetzt noch drei verschiedene Typen, bei denen die Alarmglocken angehen sollten bei euch (gilt übrigens auch umgekehrt, obwohl Typ 1 wohl eher selten in weiblicher Form anzutreffen ist).

Und zwar nicht, wenn sie eure Freunde, Brüder, Kumpels, Cousins oder Väter sind. Dann könnt ihr euch darauf beschränken, ihnen dieses Buch zu schenken. Wenn sie aber eure Partner sind, dann wisst ihr, dass es wahrscheinlich nicht ganz leicht wird mit Kind und Karriere. Oder ihr euch eventuell doch von Schiller inspirieren lassen solltet: Drum prüfe, wer sich ewig bindet..

  1. Der Patriarch

Woran man ihn erkennt:

Er ist selbst erfolgreich, steht mit beiden Beinen im Leben. Oft kommt er aus gutem, konservativen Hause. Er ist fürsorglich, vielleicht sogar romantisch, überrascht seine Partnerin mit exklusiven Urlauben und spontanen Restaurant-Besuchen. Er möchte unbedingt Familie, liebt Kinder und möchte gerne auch viele Kinder. Für dich will er nur das Beste, er stellt dir ein angenehmes, harmonisches Leben in finanzieller Sicherheit in Aussicht.

Typische Sprüche:

„Mach dir keine Sorgen Schatz, das regle ich.“

„Wenn wir erstmal in unserem Häuschen am See sitzen, ich meine eigene Kanzlei habe, unsere fünf Kinder springen fröhlich im Garten herum..“

„Geh shoppen und amüsiere dich!“

Konkreter:

„Arbeiten hast du doch nicht nötig!“

„Meine Mutter hat uns jeden Mittag etwas gekocht und danach mit uns Hausaufgaben gemacht.“

„Der Mann ist der Ernährer der Familie.“

„Melanie möchte Karriere machen – ist sie nicht süß? Wenn erstmal die Kinder da sind, wird sie das ganz anders sehen..“

Gefährlich weil:

Er dich zwar wahrscheinlich sehr liebt und unheimlich an deinem Wohlergehen interessiert ist; doch leider von SEINER Vorstellung von Wohlergehen. Du läufst Gefahr, im goldenen Käfig zu landen, das heißt, ein klassisches Rollenmodell zu leben. Wahrscheinlich kennt er es nicht anders. Und weil bei ihm nun mal der Vater der Patriarch war, und die Mutter sich zu Hause um alles gekümmert hat, stellt er es sich für sich genauso vor. Das Problem: Dieses Modell lief wahrscheinlich auch noch ziemlich gut, er hatte eine glückliche Kindheit. Die wünscht er sich nun auch für seine eigenen Kinder.

Das kannst du tun:

Hier kannst du ansetzen: Mache ihm erstens frühzeitig klar, was für dich „Wohlergehen“ bedeutet – nämlich dass auch du einen erfüllenden Job hast. Und dass man auch glückliche Kinder haben kann, wenn eine Haushaltshilfe statt der Mutter was Leckeres kocht. Mache ihm klar, dass für viele Kinder seine aktive Partizipation notwendig ist. Hole dir dafür sein Commitment ein! Stelle sicher, dass er zu diesem Commitment auch steht, etwa vor seiner Familie und seinen Freunden.

  1. Das Kind

Woran man ihn erkennt:

Er ist lustig, spielt gerne mal den Clown. Ihr habt so viel Spaß zusammen. Klar will er Kinder! Mit denen kann man dann Fußballspielen, herumtollen, ins Kino.. Seine Mutter hat während seiner Studentenzeit liebevoll die Wäsche für ihn gemacht, seit ihr zusammen wohnt übernimmst du das für ihn. Er hat ein bisschen länger studiert als andere, aber das macht nichts, denn du bist ja die Karrierefrau. Ein paar Mal stand er auch kurz vor der Exmatrikulation, aber du hast ihn da wieder herausgeholt, ihn gecoacht, gepusht, versorgt. Er unterstützt deine Ambitionen und hat kein Problem damit, dass du die Erfolgreiche in eurer Beziehung bist.

Typische Sprüche:

„Dein Essen schmeckt toll! Dieses ganze Küchenzeug, damit komme ich einfach nicht klar..“ (er lacht gewinnend)

„Schatz, kannst du das mit der Wäsche machen? Ich mixe doch nur wieder die falschen Farben..“

„Ich freue mich so auf unseren Sohn, endlich jemand, der mit mir Fußball spielt!“

Konkreter:

„Sorry, aber wickeln geht bei mir gar nicht, von dem Geruch wird mir schlecht.“

„Du hast doch BWL studiert, mach du am besten unsere Steuererklärung, ich verstehe ja doch nichts davon.“

„Bei mir weint er immer, am besten du bringst ihn zur Kita.“

Gefährlich weil:

Er ist ein ewiges Kind. Lustig und spontan, wahrscheinlich fasziniert dich das so an ihm. Er übernimmt aber nicht gerne Verantwortung, geht grundsätzlich den Weg des geringsten Widerstandes. Er ist wenig belastbar und wird gerne umsorgt. Zwar wird er dir deine Karriere voll gönnen und sie auch für gut heißen, doch im schlimmsten Fall hast du mit ihm ein zusätzliches Kind. Er ist unselbständig und kann nicht alleine auf die Kinder aufpassen. Er gibt sich mit unliebsamen Aufgaben wenig Mühe und baut darauf, dass er sie dann nicht mehr machen muss. Am Ende musst du alles alleine stemmen – Kinder, Haushalt, Geld verdienen.

Das kannst du tun:

Zwinge ihn, Verantwortung zu übernehmen, und zwar bevor ihr Kinder habt. Kinder bedeuten Verantwortung und die sollte man sich teilen, sonst funktioniert das nicht mit Kind plus Karriere. Es ist total ok, wenn einer in der Beziehung beruflich weniger ambitioniert ist. Doch die privaten Aufgaben sollten trotzdem geteilt werden. Fange gar nicht erst an, ihn zu bekochen, seine Wäsche zu machen, ihn sogar auszuhalten. Mache ihm klar, was du von ihm erwartest und hole dir sein Commitment ein. Lass seine Ausreden nicht gelten, lass ihn machen, auch wenn er es nicht so perfekt macht wie du.

  1. Der Junggeselle

Woran man ihn erkennt:

Er ist ein Lebemann; charmant, gutaussehend, erfolgreich. Er ist viel unterwegs, hat ein riesiges Netzwerk, ist auf allen Parties und Veranstaltungen. Seine Hobbies sind zeitaufwändig und exklusiv, er reist gerne und hat viele Freunde. Sein Job macht ihm Spaß, vielleicht ist er Unternehmer. Er ist sportlich und die Frauen an seiner Seite sind schön und erfolgreich. Jetzt hat er sich unsterblich in dich verliebt, ihr genießt das Leben in vollen Zügen. Und weil die biologische Uhr tickt und er ja schon auch mal Kinder will, macht er dir auf einer Safari in Namibia einen Heiratsantrag.

Typische Sprüche:

„Klar will ich Kinder. Jetzt aber erstmal das Leben genießen!“

„Erfolgreiche Frauen sind toll!!“

Konkreter:

„Schatz, du weißt ich brauche meinen Sport. Samstag Golfen, Sonntag Hockeyturnier, das GEHT NICHT ANDERS.“

„Ich wäre ja auch gerne mehr zuhause, aber ich habe nun mal die Verantwortung für dieses Unternehmen!“

„Ich verstehe gar nicht, warum du keine Lust mehr auf Feiern hast, nur weil du jetzt stillst und ein Baby hast?!“

Gefährlich weil:

Er liebt seine Freiheit. Klar will er Familie und Kinder. Und klar möchte er auch eine erfolgreiche Frau. Aber bitte nicht auf Kosten seiner Unabhängigkeit. Er wird unter Umständen unangenehm, wenn er merkt, dass es mit Kindern – zumindest in den ersten Jahren – eben doch ein paar Einschränkungen gibt. Im Worst Case zieht er sich zurück aus der ganzen Kinderangelegenheit. Er liebt deine erfolgreiche Seite, wird aber vielleicht mit Unverständnis reagieren, wenn du auch mal deine Ruhe brauchst und keine Lust mehr hast, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

Das kannst du tun:

Sichere dich ab, dass ihm die Verantwortung und Einschränkung der eigenen Freiheit bewusst sind, die mit Kindern einhergehen. Höre genau hin: Will er WIRKLICH Familie und alles was dazu gehört, oder sagt er einfach nur „klar“, weil ihr halt grade in dem Alter seid und es dazugehört? Hilft er dir, wenn es drauf ankommt und nimmt sich dafür auch mal selbst zurück, oder funktioniert es zwischen euch nur, wenn ihr den angenehmen Seiten des Lebens frönt?

Natürlich sind die Charaktere überspitzt dargestellt und die meisten Partner sind irgendwo dazwischen. Aber es gilt für alle: Sprecht über eure Pläne, wie ihr euch das als Familie ganz konkret vorstellt. Und welche Rolle jeder von euch dabei einnehmen möchte/kann. Dann wird auch das gemeinsame Leben mit Kindern und Karriere ein voller Erfolg!

 

 

INTERVIEW mit Julia, Juristin im öffentlichen Dienst

Julia (Name geändert) ist 41, seit neun Jahren verheiratet und hat zwei Kinder (vier Jahre und neun Monate). Aktuell ist sie wieder voll zurück im Job, während ihr Mann seinen Teil der Elternzeit von sieben Monaten verbringt. Ich habe vorher noch nie ein Paar getroffen, welches Elternschaft und Beruf wirklich so gleichberechtigt lebt wie Julia und ihr Mann. Die Familie hat mich mit ihrem modernen Rollenmodell begeistert und ich habe ihr daher ein paar Fragen gestellt. Zum Nachmachen!!

Liebe Julia,

du bist nach dem 2. Kind gerade wieder in den Job gestartet. Wie geht es dir – fiel dir der Switch von 100% Mama auf 100% Job schwer?

Julia:

Nein, nicht wirklich. Ich mache genau das, was ich vorher in meinem Job gemacht habe. Wenn man dann nur 9 Monate raus war, Mutterschutz und Elternzeit zusammengenommen, ist man auch schnell wieder drinnen. Man vermisst natürlich die Kinder, gerade auch weil man vorher so viel Zeit mit ihnen verbracht hat. Aber 100% arbeite ich auch nur, solange mein Mann zu Hause ist. Das ist absehbar. Und dann gehen wir beide wieder in die Teilzeit. 

 

Ihr habt euch bei beiden Kindern die Elternzeit 50/50 aufgeteilt. Wie kam es dazu? War das immer klar? Musstest du deinen Mann überreden?

Julia:

Ich arbeite gerne und möchte finanziell unabhängig sein. Ich will meinen Mann nicht fragen müssen, wenn ich mir ein neues Kleid kaufen möchte. Daraus, dass ich immer eine gleichberechtigte Partnerschaft wollte, insbesondere im Hinblick auf Arbeit und Familie, habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Mein Mann wusste also, worauf er sich einließ. Zudem hält er, so wie ich auch, die Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt, für ein unglaublich kostbares Gut. Ein Überreden war daher nicht nötig. 

Würdest du es genauso wieder tun?

Julia:

Uneingeschränkt, ja.

Welche Argumente gibst du all den Eltern mit, deren Partner von einem solchen Modell noch nicht überzeugt sind?

Julia:

Mein Mann weiß selber, was in die Wickeltsche gehört. Er weiß, wie anstrengend ein Nachmittag mit Kindern sein kann, wenn das Baby schreit und der Große zeitgleich Hilfe auf der Toilette braucht oder unbemerkt die Küche mit Milch geflutet hat. Wir wissen aber auch jeweils, wie es ist, wenn man unter Druck beim Job ist. Es ist einfach schön und durchaus einfacher, wenn beide beide Seiten kennen. Aber man muss auch lernen, abzugeben und den anderen machen zu lassen. Das fällt auch mir immer wieder schwer. Aber ich weiß,  dass bei ihm die Kinder am Ende des Tages noch leben, satt und glücklich sind. 

Wie habt ihr nach der ersten Elternzeit gearbeitet? Und was ist der Plan, wenn die Elternzeit deines Mannes um ist?

Julia:

Nach der ersten Elternzeit haben wir beide 85 % gearbeitet, so dass wir immer abwechselnd (oder nach terminlichem Bedarf) unseren Sohn, von der Kita abholen konnten. So planen wir es auch diesmal.

Welche besonderen Herausforderungen gilt es bei diesem Modell zu meistern?

Julia:

Tatsächlich finde ich, dass es keiner besonderen Herausforderungen bedarf. Wir müssen uns absprechen, aber das muss man sonst auch. Das “Den-anderen-machen-lassen” ist wohl das Wichtigste. Aber das sollte man meines Erachtens auch mal tun, wenn man das klassische Rollenmodell fährt. Diesmal sind wir in den Urlaub gefahren und mein Mann hat für die Kinder gepackt. Und bisher (ich schreibe aus dem Urlaub) reichen die Windeln und T-Shirts.

Welche konkreten Vorteile bietet das 50/50 Modell aus deiner Sicht?

Julia:

Man hat nicht den typischen Karriereknick als Frau. Sobald man regelmäßig auch mal am Abend präsent sein kann,  hat man nicht mehr das Teilzeitmanko. Und, wie schon gesagt, es ist einfach angenehm, wenn man weiß, dass man sich auf den anderen in Bezug auf die Kinder verlassen kann. 

Was hat euer Umfeld dazu gesagt?

Julia:

Wir hatten nur positive Rückmeldungen. 

Dein ultimativer Ratschlag an alle (werdenden) Eltern:

Julia:

Versucht es mal mit 50/50. Es ist ein tolles Modell. Den Männern möchte ich sagen, seid mutig und versucht mehr als zwei Monate vom Arbeitgeber zu bekommen. Die Arbeitgeber verkraften es, wenn die Frauen für eine Zeit wegfallen. Nichts anderes gilt bei euch. Und wir Frauen müssen lernen, die Männer machen zu lassen. Es mag anders laufen als bei uns, aber irgendwie funktioniert es und durchaus auch mal besser.

 

Anmerkung Julia:

Für uns ist das gewählte Modell (also hälftig Elternzeit und Reduzierung auf dieselbe Teilzeit) auch deswegen gut umzusetzen,  weil wir beide im öffentlichen Dienst sind, annähernd gleich verdienen und noch keiner von uns eine Führungsposition inne hält. Allerdings muss man sagen, dass es auch für den öffentlichen Dienst leider gänzlich ungewöhnlich ist, dass ein Mann länger als zwei Monate in Elternzeit geht und Teilzeit macht.

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