Karriere, Baby! (5/10)

5.    ATTITUDE

Attitude! Changes are chances, und zwar nicht erst seit Corona!

Die Geburt eines Kindes bringt einen Wandel mit sich. Eine riesige Veränderung sogar, euer Leben wird völlig auf den Kopf gestellt! Und wie immer, wenn etwas neu ist, geht es darum, wie ihr auf dieses Ereignis reagiert, geht es um euer inneres Verhältnis zu dieser Neuerung: eure Einstellung.

Warum die richtige Attitude im Zusammenhang mit Elternsein die Karriere fördert, zeige ich euch anhand von zwei Beispielen:

  1. „Hallo Chef, ja danke, dass du Zeit hast.. ich wollte nur mal fragen wie das dann wird.. mit meinem Wiedereinstieg in ein paar Monaten? Also ich weiß, das wird sicher nicht einfach, ich muss eh mal schauen, ob die Kleine sich dann überhaupt in der Kita wohlfühlt, das weiß man ja vorher nicht.. Vielleicht steige ich auch eher erstmal mit weniger Stunden ein, zur Sicherheit… Das mit der Teamleitung wird ja wahrscheinlich eh nichts mehr in den nächsten Jahren, denke ich… Naja, mal schauen, eventuell bleibe ich dann halt noch ein Jahr zuhause..“
  2. „Hallo Chef, danke für deine Zeit! Ich komme ja in fünf Monaten wieder zurück in den Job. Der Kitaplatz ist gesichert ab September, die Eingewöhnung übernimmt mein Mann. Ich würde gerne wieder in Vollzeit einsteigen, optimale Arbeitszeit für mich ist 8-16h wegen der Kita-Öffnungszeiten. Die Teamleitung würde ich natürlich wie besprochen sehr gerne übernehmen. Ich habe total Lust, wieder zu arbeiten und freue mich schon heute darauf!“

Reaktiv vs. Proaktiv:

Gehe ich mit der Einstellung heran, dass das ja jetzt sowieso alles nicht klappt mit Kind, dass es super schwierig wird, dass ich meine Karriere für die nächsten paar Jahre erstmal vergessen kann, dann strahle ich das auch aus. Wahrscheinlich habe ich dann auch noch ein paar Negativ-Beispiele aus dem Bekanntenkreis im Gepäck: „Ja, die Gabi, war beruflich top unterwegs, und dann mit Kind.. Funktionierte einfach nicht mehr! Ein verantwortungsvoller Führungsjob bedeutet viele Überstunden, das ist mit Kindern einfach nicht vereinbar!“ Menschen mit einer solchen Einstellung tendieren dazu, sich reaktiv ihrem Schicksal zu ergeben.

Im Gegenteil zu Beispiel 2: Eine proaktive Herangehensweise, eine Einstellung, die grundsätzlich positiv ist. Ein gewisses Selbstbewusstsein gehört dazu, klar, und vor allem beim ersten Kind auch das Vertrauen in sich selbst und das System, dass das schon funktionieren wird. Aber genau in diesem Moment braucht ihr die richtige Attitude!

Das sind Extrem-Beispiele und irgendwo in der Mitte findet ihr euch wieder. Wenn ihr dieses Kapitel bzw. dieses Buch gelesen habt, seid ihr hoffentlich einen großen Schritt weiter – inspiriert und motiviert! Im Folgenden lest ihr: Wie ich selbst in meinen Elternzeiten an meiner Einstellung gearbeitet habe; wie ihr die notwendigen Kraftquellen findet und welche das sein können; wie ihr eine positive Einstellung lernen könnt.

Erwartungen und äußere Einflüsse

Eine positive Attitude zu haben (und zu halten!) ist oft leichter gesagt als getan. Wir werden permanent beeinflusst in unserer Haltung gegenüber den Dingen: Von unseren eigenen Vorstellungen und Erwartungen, von denen unseres Umfelds, von sozialen Medien und unvorhergesehenen Ereignissen.

In meiner ersten Elternzeit hatte ich eine Traumvorstellung: Wenn das Baby schläft, studieren, in der Freizeit (von der ja MASSENHAFT vorhanden ist, wenn man nicht arbeitet) mit dem Baby gemütlich am Strand abhängen, lesen oder ein bisschen Sport treiben, während es sich selbst beschäftigt. Dass der Hase so nicht läuft ist mir mittlerweile klar. Aber in dem Moment wusste ich es einfach nicht besser; dass man nämlich oft übermüdet ist und gar keine Energie hat; dass das Baby zwar täglich mindestens drei Stunden schläft, jedoch nicht zwangsweise am Stück, so dass man sich konzentrieren könnte; dass Babys sich quasi NIE selbst beschäftigen.

Im ersten Moment war ich sicherlich enttäuscht. Aber dann habe ich die richtige Einstellung gefunden: Ich sitze hier in Kalifornien, jeden Tag scheint die Sonne, ich habe ein wundervolles Kind, habe die Möglichkeit, über meinen Arbeitgeber ein Studium zu absolvieren, mein Mann hat mega viel Zeit und wir genießen es.

Social Media

Die sozialen Medien sind super – ich liebe es, mit allen möglichen Leuten in Kontakt zu sein, mich zu vernetzen und zu inspirieren. Aber sie sind auch richtig gefährlich. Gerade wenn es ums Thema Schwangerschaft, Elternwerden und -sein geht, überbieten sich die Influencer, und solche, die es gerne wären, gegenseitig: Tolle Bilder, happy faces, glückliche Kinder, ausgeschlafene Eltern, die nackig mit ihren ebenfalls nackigen Babys kuscheln. Alles Fake? Sicherlich zum Teil, Bilder entstehen bei Shootings und gaukeln der Follower-Community vor, das sei in dieser Familie immer so. Ich glaube, ihr müsst einfach immer eine Riesenportion Glück, Filter und co. abziehen und müsst euch einfach IMMER bewusst sein, dass das NICHT die Realität ist. Bei KEINEM. Ab diesem Moment fängt es an Spaß zu machen: Dann kann man diese Fotos als Inspiration sehen, vielleicht auch ein bisschen glücklich darüber sein, dass man seine Elternzeit einfach nur genießen und das tun, worauf man Lust hat, kann; ohne sich permanent top gestylt zur Schau stellen zu müssen. Plus: Ich bin auch der Meinung, dass positive und glückliche Bilder und Eltern immer noch besser sind, als negative. Über die zu wahrscheinlich 90% negativen täglichen Nachrichten beschweren wir uns ja auch immer.

Fazit: Nutzt die sozialen Medien, um euch zu vernetzen und zu inspirieren, aber bleibt dabei immer realistisch und lasst euch nichts vorgaukeln!

Schwiegermutter und Co.

Diverse Verwandte, Nachbarn und Bekannte erheben ebenfalls häufig den Anspruch, mitreden zu wollen. Doch auch hier gilt es, den adäquaten Abstand zu wahren und eine positive Attitude einzunehmen! Tipps und Anregungen sind super, die braucht man auch als frisch gebackene Eltern. Wichtig ist nur, die Quellen breit zu fächern, alle Infos freundlich aufzunehmen, sich anschließend aber die eigene Meinung zu bilden – maximal noch gemeinsam mit dem Partner.

Kontrolle und Freiheit

Gerne denken wir, dass es die anderen sind, die uns und unsere Einstellung negativ beeinflussen. Am schlimmsten sind jedoch unsere eigenen, gerne perfektionistischen Vorstellungen vom Leben. Erst recht, wenn wir es gewohnt waren, ein erfolgreiches Leben zu führen, über das wir die Kontrolle hatten. Ob Corona oder ein Baby – große Veränderungen werfen uns aus der Bahn, weil wir zeitweise die Kontrolle verlieren, weil wir sogar einen Teil unserer Freiheit hergeben müssen.

Doch alleine die Erkenntnis darüber wird euch schon weiterhelfen. Klar, ihr kanntet es die ganzen Jahre nicht anders: Es lief einfach immer, und das soll es jetzt gefälligst auch. Die gute Nachricht: Das wird es auch, und zwar mit der richtigen Einstellung!

Selbstvertrauen und Erfahrung

Wie oben geschildert, in meiner ersten Elternzeit habe ich die für die richtige Einstellung notwendige Kraft aus meiner Umgebung, sozusagen meinem aktuellen Aufenthaltsort gezogen. Mir ist vollkommen klar, dass nicht jeder von euch seine Elternzeit in Kalifornien verbringen kann. Doch das ist nicht schlimm, denn es gibt ganz viele Kraftquellen!

So war meine zweite Elternzeit (mit dem 3. Baby) auf eine andere Art toll, habe ich mithilfe neuer Kraftquellen was richtig Cooles draus gemacht! Insgesamt war sie irgendwie leichter, weil ich alles schon kannte. Der Kontrollverlust war viel geringer, denn ich wusste, was auf mich zukommt. So habe ich entsprechend optimistisch, aber auch realistisch geplant. Rückblickend sehe ich meine Kraftquelle vor allem in meinem Selbstvertrauen und meiner Erfahrung („Ich weiß genau, dass ich wieder was Gutes draus mache!“).

Kraftquellen

Kraftquellen sind nichts anderes als Ressourcen, auf die ihr zurückgreifen könnt. Das können Menschen sein, Eigenschaften, Fähigkeiten, Erfahrungen, aber auch äußere Umstände oder Materielles. Ich habe in der letzten Elternzeit eine Ausbildung zum Coach gemacht und meine Abschlussarbeit über genau diese Ressourcen geschrieben. Die Herausforderung liegt darin, sie in einem ersten Schritt zu „finden“, also sich ihrer bewusst zu werden. In einem zweiten Schritt, müsst ihr sie dann „nur noch“ aktivieren. Meine Erfahrung als Coach hat gezeigt: die eigentliche Challenge ist Schritt 1!!

Also, fangt direkt mal mit dem Brainstormen an: Wo habt ihr tolle Vorbilder, an denen ihr euch orientieren könnt? Positive Vorbilder und Inspirationen sind aus meiner Sicht eine MEGA Kraftquelle, deshalb hänge ich mich bei diesem Thema auch so rein! Wo habt ihr schon positive Erfahrungen gesammelt à la „das habe ich damals doch auch gewuppt, obwohl ich selbst nicht gedacht hätte, dass ich das schaffe?!“? Wie oder wo könnt ihr es euch besonders schön machen? Welche Beziehungen habt ihr im Leben, aus denen ihr richtig viel Kraft schöpfen könnt?

Wem das Kraftquellen-Finden alleine schwer fällt, der setzt sich mit einem Freund/einer Freundin zusammen oder holt sich externe Hilfe von einem Coach!

Die richtige Einstellung

Was aber soll schon „richtig“ sein?? Genau, richtig und falsch gibt’s natürlich nicht. Es geht darum, dass ihr eine positive Grundhaltung findet. Dass ihr grundsätzlich den Dingen optimistisch entgegenblickt. Jedoch solltet ihr das nicht verwechseln mit „sich in die Tasche lügen“ oder sich nicht erlauben, auch mal schlecht drauf zu sein oder was doof zu finden! Eine positive Attitude hat nichts mit Perfektionismus zu tun – im Gegenteil. Mal traurig sein, einen Tag vergammeln, das gehört unbedingt dazu. Haltung ist etwas, das von innen kommt, was man aber dennoch aktiv trainieren kann. Im Folgenden präsentiere ich euch meine ganz persönlichen Tricks und Hilfen, wie ihr eine positive Einstellung lernen könnt:

  1. Circle of Influence: Wenn euch etwas stresst, stellt euch immer erstmal diese eine Frage, bevor ihr euch beschwert oder jammert: „Kann ich dieses Thema beeinflussen?“ Lautet die Frage, „nein“, dann lasst es einfach! Spart euch das Ärgern und widmet euch den Dingen in eurem Einflussbereich! Lautet die Antwort „ja“, dann gilt: Love it, leave it or change it! So einfach ist das! Beispiel: Während eurer Elternzeit wird eure Stelle neubesetzt, der Neue ist auch noch richtig gut und wird vom Chef gepusht. So what? Ist er eben gut, du bist es auch und wirst das in ein paar Monaten auch wieder beweisen können. In der Zwischenzeit genießt du die Elternzeit, tust nebenher bisschen was für deine Weiterbildung und positionierst dich durch Netzwerken und regelmäßiges Auftauchen in der Firma.
  1. Visueller Reminder: Wenn du mal wieder dabei bist zu jammern oder dich zu beschweren, erinnert dich ein visueller Reminder daran, es besser einfach bleiben zu lassen. Beispiel: Ein Armband, das du immer vom rechten an den linken Arm wechselst, wenn du es doch tust. Du kannst eine Challenge draus machen und versuchen, es eine Woche am selben Arm zu behalten (Ich habe das mal gemacht und UNFORTUNATELY nie geschafft…)
  1. Dankbarkeit: Schreibt jeden Tag auf, wofür ihr dankbar seid. Menschen, Dinge, Job, Materielles, Tatsachen, Natur, Bücher… Dauert eine Minute, Notizbuch oder Handy. Krass, was da zusammenkommt und wie positiv einen das stimmt!
  1. Ziele: Wir neigen dazu, uns überambitionierte Ziele zu stecken. Vermeintlich soll uns das motivieren, in der Realität zieht uns das Scheitern aber nur runter. Insbesondere während der Elternzeit gilt: Nehmt euch nicht zu viel vor, bleibt unbedingt realistisch! Steigern kann man sich immer noch, erspart sich aber die Enttäuschung über sich selbst. Ich bin diesbezüglich in den letzten Jahren viel realistischer geworden, was mir wiederum geholfen hat, weniger perfektionistisch zu sein. Das ist übrigens ein positiver Zirkelbezug, denn Kinder helfen grundsätzlich auch dabei, weniger perfektionistisch zu werden, was dann wiederum zu mehr Gelassenheit bei Kindern UND Karriere führt.
  1. Perspektivwechsel: Was auch immer passiert, worüber auch immer ihr euch ärgert – nehmt die andere Perspektive ein, bevor ihr euch aufregt. Hat der Chef euch wirklich gedanklich schon abgeschrieben, nur weil ihr grade in Elternzeit seid, oder hatte er (viel wahrscheinlicher!) nur grade wieder eins dieser anstrengenden Marathon-Management-Meetings hinter sich, wo er von seinem Chef hart rangenommen wurde?
  1. Vorbilder: Sucht euch aktiv Vorbilder (siehe oben) und befragt sie direkt oder aber wenn das nicht möglich ist: Überlegt euch, wie würde er/sie jetzt handeln, was würde er/sie mir raten? Das können Mentoren sein, Coaches, Freunde, gute Kollegen. Ich schaue dazu auch oft Statements oder Blogs von interessanten Persönlichkeiten an.
  1. Changes are Chances: Mein Lieblingssatz, der immer passt. Überlege dir bei jeder noch so schwierigen Sache oder Veränderung, was das Positive ist, das du daraus ziehen kannst. Klingt banal, man muss es nur auch machen! Einfachstes Beispiel: Schau dir dein Baby an, während es schläft, und du weißt genau, wofür du das alles auf dich nimmst!! Funktioniert übrigens auch bei Fehlern, denn aus diesen lernt man ja bekanntlich, so abgedroschen das auch klingen mag.
  1. Worst Case: Was ist das allerallerallerschlimmste, was passieren könnte? Solange weder ihr, noch eure Liebsten dabei draufgeht: Alles halb so wild! Wichtig ist, dass ihr euch diesen Worst Case ganz bewusst vor Augen führt, konkret vorstellt, vielleicht sogar aufschreibt. Im selben Moment verliert er seine Bedrohung total. Ich habe das in der letzten Elternzeit ein paarmal angewandt, als ich dachte, „Oh Gott, was, wenn ich jetzt gar keinen neuen Job finde, wo ich den alten doch schon gekündigt habe???“ Die Antwort könnt ihr mir geben.
  1. Reflexion: Eine Erkenntnis aus meiner Tätigkeit als Coach. Ich komme für meine Coachees nicht mit fancy Lösungen um die Ecke. Die erarbeiten sie selbst. Und auch meine Methodik dazu ist kein Hexenwerk; es geht vor allem darum, Fragen zu stellen, vielleicht ein paar Tools anzuwenden, um beim Klienten die Selbstreflexion anzustoßen. Schon oft meinten die Coachees danach zu mir: Krass, eigentlich haben wir ja nur drüber geredet, aber ich habe soooo viele Erkenntnisse gewonnen! Das ging mir persönlich immer genauso im Coaching. Also, reflektiert euch regelmäßig, egal ob mit der besten Freundin oder mit externer Hilfe!
  1. Inspiration statt Vergleiche: Jeder Mensch ist anders. Ich habe es oben bereits im Zusammenhang mit den sozialen Medien erwähnt; hört auf, euch zu vergleichen. Das bringt nichts, denn jeder einzelne von uns ist anders – andere Grundvoraussetzungen, anderer Job, anderer Partner, anderes Aussehen, andere Fähigkeiten, andere Prioritäten. Die Liste kann man unendlich fortführen. Was ich sagen will: Lasst euch inspirieren, sucht euch Vorbilder, pickt euch von allen das Beste für euch raus und macht euer eigenes Ding!

Wir fahren immer mit dem Auto nach Südfrankreich und das heißt unendlich viele (und  wiederkehrende) Folgen Paw Patrol. So nervtötend die Einsätze der Superhunde und der begleitende Singsang auch sind, eine Zeile ist mir immer im Kopf geblieben und ich rufe sie bei jeder Gelegenheit auf: „Geht etwas schief, mach das Beste draus, mach Zitronenlimonaaaaaaaade!“

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