#frauenquote – Weibliches Unternehmertum und Frauen in der Wirtschaft

Zu diesem Thema war ich letzte Woche beim VdU (Verband deutscher Unternehmerinnen) Rheinland als Speakerin geladen. Ein spannender Abend mit tollen Frauen, an dem es um meine ganz persönliche Story im meist männerdominierten Berufsumfeld ging, um unseren Beitrag für, und Nutzen von, mehr Frauenförderung; und natürlich um die Frauenquote.

Interviewt wurde ich von Elisabeth Decker, Vorsitzende des VdU Bonn und Inhaberin von Meavision in Bonn, wir kennen uns seit unserem gemeinsamen Buchprojekt “Starke Frauen” mit Jeannette Gräfin Beissel

Was begeistert mich im männerdominierten Umfeld bei Hilti zu arbeiten?

Drei Punkte machen die Begeisterung für meinen aktuellen Job aus:

  1. Spaß und Vielseitigkeit

Vielleicht auch Spaß durch Vielseitigkeit. Ich bin Führungskraft, Coach, bin dafür verantwortlich meine Mitarbeitenden weiterzuentwickeln, ihnen zu helfen, ihre Stärken zu erkennen und zu stärken, gemeinsam an Entwicklungspotentialen zu arbeiten. Gleichzeitig bin ich Manager, und trage Verantwortung; für mein Team, meine Themen, meine Vertriebszahlen. Und ich arbeite mit spannenden Kunden zusammen, partnerschaftlich und nachhaltig.

  1. Flexibilität und Balance

Die Flexibilität (örtlich und räumlich) in meinem aktuellen Job ist groß und ich bekomme das hin, was mir am allerwichtigsten ist: Die Balance zwischen Familie und Karriere. Ich bin erfolgreich UND GLEICHZEITIG habe ich genug Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann.

  1. Hilti itself

Hilti ist ein cooles Unternehmen – ich mag die Menschen, unsere Kultur und fühle mich einfach wohl (hier geht es zu meinem Fazit nach einem Jahr Hilti).

Der ganze Rest, sprich die Produkte und damit einhergehende „Männerdomination“, werden dadurch eigentlich erstmal zur Nebensache.

Meine ganz persönliche Story als „Quotenfrau“

Warum bin ich eine Quotenfrau? Ich habe immer im männerdominierten Umfeld gearbeitet – ob im IT-Umfeld oder jetzt in der Bau-Branche; da müssen Frauen gefördert werden. Klar sucht etwa Hilti nach Frauen. Weil wir erkannt haben, wie wichtig das ist. Ich bin mit Hilti in Kontakt gekommen auf einer Karrieremesse für Frauen. Deshalb bin ich auch irgendwo eine Quotenfrau.

Ist das schlimm? NEIN! Am Ende muss jede/r einzelne durch Leistung überzeugen. Ich wurde ja nicht nur eingestellt, weil ich eine Frau bin, sondern ich habe überzeugt. Zusätzlich hat das Wort „Quotenfrau“ über die letzten Jahre seinen Schrecken verloren, nicht zuletzt durch die Stern-Kampagne, in der 40 erfolgreiche Frauen sagen, wie die Quote uns allen nützt. Schon längst ist Quotenfrau nicht mehr gleichzusetzen mit „ich habe meinen Job/Position nur bekommen, weil ich eine Frau bin, alleine hätte ich es nicht geschafft und ich habe auch eigentlich nichts drauf“.

Warum versucht man nicht ohne Quote zu leben?

Man hat es jahrelang versucht, das ohne-Quote-Leben. Aber es hat eben nicht funktioniert. Ich erinnere mich daran, wie wir schon zu Anfang meiner Trainee-Zeit vor knapp zehn Jahren zum Thema Frauenquote diskutiert haben. Das waren die Thomas Sattelberger Zeiten bei der Telekom und wir haben uns 30% Frauen in Führung selbst auferlegt.  Ich damals natürlich total dagegen: „So ein Quatsch, das brauche ich nicht, ich komme auch alleine weiter, denn ich überzeuge durch Leistung!“.

Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt: Wir brauchen die Quote, damit sie irgendwann überflüssig wird! Das klingt paradox. Doch wir brauchen den Druck auf die Unternehmen, damit sie endlich systematisch beginnen, etwas zu tun, und zwar von der Basis aus startend. Den größten Hebel sehe ich hier in der kritischen Phase der Familiengründung, denn da verlieren wir die Frauen. Sie brauchen Unterstützung in der Rushhour des Lebens, so dass auch die gläserne Decke irgendwann verschwinden kann.

Vor ein paar Jahren kam die Quote für Aufsichtsräte, jetzt die für Vorstände (FüPoG II). Und ich bin mir sicher, mit der Quote wird es eines Tages wie mit dem Rauchverbot: Nach anfänglichem Aufschrei wird in ein paar Jahren selbstverständlich sein, dass Führungsetagen und Vorstandsetagen gleichermaßen mit Frauen besetzt sind.

Was sind Deine Argumente für die Quote? Warum brauchen wir sie?

Mein wichtigstes Argument für die Quote habe ich eben schon genannt: Wir brauchen die Quote, damit sie irgendwann überflüssig wird. Von allein passiert nichts! Ich war vor zwei Wochen zu einer ähnlichen Diskussion beim VWI Aachen geladen. Dort kam von einem Studierenden die Frage, was ich denn von einer Art „Übergangsphase“ hielte (es muss ja nicht gleich so radikal die Quote sein). Meine Antwort: „Nichts.“. Warum? Weil wir diese Übergangsphase bereits hinter uns haben, und zwar ohne nennenswerte Effekte.

Es gibt aber natürlich viele weitere Argumente für eine Frauenquote.  

So bringt mehr Diversität nachgewiesenermaßen mehr Kreativität, mehr Produktivität in Unternehmen. Auch gibt es Studien, die belegen, dass mehr Frauen in Führung zu mehr Unternehmenserfolg führen. In anderen Ländern, besonders in Skandinavien, hat sich die Quote bereits bewährt.

Ganz hart und wirtschaftlich betrachtet, macht es auch gar keinen Sinn, teuer ausgebildete „Human Ressources“ am Ende gar nicht richtig zu nutzen. (Dass Frauen in Deutschland heute top ausgebildet sind und den Männern in nichts nachstehen, ist eine Tatsache). Irgendwo stoßen Frauen jedoch noch regelmäßig an die „gläserne Decke“ – es geht nicht mehr weiter. Auch hiergegen wird die Quote ihren Beitrag leisten.

Ein Lieblingsargument der Quotengegner: „Aber es sollte doch immer der/die Beste den Job bekommen!“ Absolut! Doch Thomase stellen Thomase ein (Stichwort „Homosoziale Reproduktion“), also Menschen, die ihnen ähnlich sind (das wiederum ist menschlich). Die Quote wird dafür sorgen, dass zumindest in den Vorständen deutscher DAX-Konzerne zukünftig auch nach rechts und links geschaut wird.

Die Arbeitsweise von Frauen unterscheidet sich weiterhin von der von Männern. Insofern wird sich mit mehr Frauen auch die Unternehmenskultur wandeln. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Wenn ich als Chefin und Mutter von drei Kindern mit meinen Mitarbeitenden über Elternzeit und co. Spreche, bringe ich einen ganz anderen Background mit als ein (Achtung, Stereotyp) Mann mittleren Alters, welcher sich immer nur um seine Karriere gekümmert hat, während seine Frau zuhause den Laden schmeißt. Das gilt aber glücklicherweise auch für die modernen Männer, welche wiederum entsprechend erfolgreiche Frauen haben.

Finally, mal umgekehrt gefragt: Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn wir eine Frauenquote haben?

Nicht der/die Beste bekommt den Job? Hm, soll auch in den letzten 100 Jahren schon vorgekommen sein, z.B. dass jemand einfach über Vitamin B einen Job bekommen hat.

Frauen in Führungspositionen bekommen ein „Label“? Aus meiner Sicht (und Erfahrung) sind Frauen, die es in solche Positionen schaffen (wie ihre männlichen Kollegen), nicht diejenigen mit einem schwachen Selbstbewusstsein. Und sicherlich werden sie in dieser Situation auch nicht zum ersten Mal in ihrem Leben mit Gegenwind oder Neid konfrontiert.

Männer werden diskriminiert? (Davon abgesehen, dass Frauen und viele anderen Bevölkerungsgruppen ja schon immer diskriminiert wurden und werden) Wenn einer von dreien eine Frau sein soll, können ja immer noch zwei andere ein Mann sein. Punkt.

Der Druck auf die Frauen steigt, insbesondere solche, welche eigentlich gar nicht Karriere machen möchten? Aber warum? Auch Männer werden ja nicht alle Vorstand. Jede(r) sollte die Karriereleiter so weit oder nicht weit emporklettern, wie sie/er möchte. Die Quote hält nicht die Frauen von anhalten ab, welche gerade nicht weitermöchten; sie hilft jedoch denjenigen, welche gerne weitermöchten, es jedoch nicht können.

Warum ist Dir das Vorbild sein so wichtig?      

„You can’t be what you can’t see.” Früher war das noch krasser, damals als es Social Media und co. noch nicht gab. Woher soll ich wissen, was eigentlich alles möglich ist, wenn ich gar nicht weiß, dass es das überhaupt gibt, dass es diese Möglichkeiten überhaupt für mich gibt?

Ich selbst komme aus einer kleineren Stadt, viele Akademiker, unsere Eltern waren Ärzte, Lehrer, Anwälte, Beamte. Man studierte also Medizin, Lehramt oder Jura, vielleicht noch BWL. Viel mehr kannte ich irgendwie nicht. Dementsprechend gab es auch nicht unendlich viele Vorbilder. Ich selbst hätte mich also über mein 10-15 Jahre älteres Ich gefreut 😉

Obwohl heutzutage alles viel transparenter ist, und Abiturienten wahrscheinlich mittlerweile an einem Überangebot von Möglichkeiten leiden, ist die Unsicherheit, der Druck groß. In zahlreichen Coachings, Mentorings oder Diskussionen stelle ich immer wieder fest: Junge Frauen haben Ängste. Sie machen sich ab dem Erwachsenenalter Gedanken darüber, wie das denn nur funktionieren kann, Familie und Karriere. Diesen jungen Menschen möchte ich Mut machen, möchte ich zeigen, dass es geht. Dafür habe ich 2018 meinen Blog gestartet, und dafür habe ich auch mein Buch geschrieben.

Das Vorbild-Sein soll mein persönlicher Beitrag gegen die gläserne Decke sein.

Welchen Nutzen haben wir durch eine aktive Frauenförderung in unseren Unternehmen?
Was bringt uns das als Frau und als Unternehmerin?

Wie oben schon angesprochen: Frauen bringen Diversität und damit Produktivität, Kreativität, Emotionalität und unzählige weitere positive Aspekte. Frauenförderung wird also den Erfolg im Unternehmen steigern. Speziell geförderte Frauen werden weiterhin besonders viel leisten, denn sie fühlen sich anerkannt.

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist bekannt, und wird sich weiter verschärfen. Insofern sollte es für jede Unternehmerin selbstverständlich sein, sich um 50% des verfügbaren Humankapitals zu bemühen.

Für Employer Branding werden jährlich große Summen in den Unternehmen ausgegeben. Aktive Frauenförderung (welche nicht nur nach außen im Marketing verwendet, sondern auch nach innen echt gelebt wird) wirkt wie ein Magnet auf qualifizierte und ambitionierte Frauen (ich sprechen aus eigener Erfahrung – siehe Hilti!).

Schließlich sollte es unser gesellschaftlicher Beitrag als Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen sein, hier als Vorbilder voranzugehen. Uns gegenseitig zu unterstützen, zu vernetzen und Frauen zu fördern.

Die Frauenquote als alleiniges Allheilmittel?

Natürlich nicht. Wir dürfen die Frauenquote nicht isoliert betrachten. Das Thema ist in den Medien gerade wieder sehr präsent – weil das FüPoG II gerade in Kraft getreten ist und durch Kampagnen wie #quotenfrau. Doch wir müssen auf ganz verschiedenen Ebenen für die Stärkung von Frauen in der Wirtschaft und mehr weibliches Unternehmertum kämpfen. Etwa im Bildungsumfeld, beim Gründen, durch strukturelle Maßnahmen wie Kinderbetreuung, aber auch durch genau das, was wir hier tun: Netzwerken, Aufklären, Vorbilder sein! Der VdU hat hierzu zehn Punkte publiziert, welche das Thema umfassender betrachtet.

In den Breakout Sessions haben wir in Kleingruppen genau diese zehn Punkte diskutiert, und wo jede den größten Hebel bzw. ihren persönlichen Beitrag sieht. DANKE für diesen Bereichernden Austausch und die spannenden Diskussionen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.