Sinn finden durch Führung

Gibt es Sinn und Selbstverwirklichung heutzutage nur noch in der Selbständigkeit oder im fancy Startup? In diesem Post geht es um die klassischen Führungskräfte-Challenges unserer Zeit, um Führung bei Hilti, um meine ganz persönlichen Erfahrungen; es geht aber auch darum, wie eine klare Identität als Führungskraft und eine „Bestimmung“ (Purpose) uns helfen, zu priorisieren und Leadership damit gleichzeitig ganz viel Sinn stiften kann.

Drei Trigger gaben mir Anlass für diese Überlegungen:

  1. Coaching: Es sind DIE Themen, welche meine Coachees umtreiben:
    • Wie finde ich Sinn in meiner Arbeit?
    • Wie kann ich mich selbst verwirklichen?
    • Wie setze ich Prioritäten?
    • Wie halte ich dem Druck stand?
    • Wie komme ich mit der stetigen Veränderung klar?

Das Ganze oftmals im Kontext von Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie.

  1. Meine persönliche Situation: Vor einigen Tagen kam ich an einen Punkt, wo ich merkte, es wird mir gerade alles zu viel: auch dem Powerfuchs geht mal die Energie aus und er heult 😉 Zu viele vermeintlich wichtige Themen und Aufgaben, zu wenig Zeit.
  1. Die Frage, die aus unterschiedlichsten Richtungen (manchmal sogar von mir selbst!) immer wieder kommt: Warum machst du dich eigentlich nicht selbständig mit deinem Thema? Freiheit, Selbstverwirklichung und so…

Führungskräfte von heute

Die Führungskraft „von gestern“ gibt Anweisungen, die Führungskraft „von morgen“ stellt Fragen und coacht. Ganz so digital ist es natürlich nicht und wahrscheinlich sind die meisten von uns einfach Führungskräfte von heute – irgendwo dazwischen.

Immer mehr Unternehmen sind sich aber im Klaren darüber, dass es kaum noch Sinn macht, die Besten im Team Schritt für Schritt nach oben zu entwickeln. Unsere Welt ist dazu viel zu schnelllebig geworden. Wenn ich als Chef den Anspruch habe, fachlich der Beste zu sein, dann gehe ich daran zugrunde.

Also ist ein Change notwendig: wir müssen für unsere Mitarbeitenden den Rahmen schaffen, das Beste aus sich herauszuholen. Wir müssen eine Umgebung schaffen, die sie motiviert, die ihnen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Wir müssen sie coachen.

Führung @ Hilti

Mein Vorteil: Hilti nimmt das Thema Leadership sehr, sehr ernst: Situatives Führen, Mitarbeiterentwicklung als oberste Priorität – denn so kommen die hervorragenden Ergebnisse fast von allein 😊 Noch nie habe ich in einem Unternehmen einen so krassen Fokus auf dem Thema „Menschen“ erlebt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor dafür ist sicherlich, dass die „neue“ Art der Führung vorgelebt und gleichzeitig von uns Führungskräften aktiv eingefordert wird. Der Fisch „duftet“ bei uns also vom Kopf 😉
Heißt das, dass bei Hilti in punkto Führung alles perfekt läuft? Natürlich nicht. Führung und Führungsstil haben auch viel mit Sozialisierung zu tun: wo, wie und von wem ich gelernt habe, zu führen. In welchen Zeiten ich Führung gelernt habe. Aber der erste und wichtigste Schritt für erfolgreiches Change Management ist immer die Erkenntnis, dass etwas verändert werden muss. Hier sind wir aus meiner Sicht bestens aufgestellt. Und ich kann meine Coaching-Skills tagtäglich voll ausleben, das ist sogar gewünscht!

Meine ganz persönliche Erfahrung

Mein aktueller Job ist manchmal ganz schön operativ und kleinteilig. Wenn ich wollte, könnte ich 24/7 arbeiten und mir würde nicht langweilig. Also muss ich Grenzen ziehen, muss priorisieren. Schwierig, wenn gerade alles so wichtig erscheint 😉

In diesen Situationen hilft mir Inspiration und Austausch von außen ungemein: etwa der Harvard Managementor mit dem äußerst empfehlenswerten Online-Kurs zum Thema „Leadership“. Ich bin einen Schritt zurück gegangen und habe mir meine Vision angesehen, meine Werte. Ich habe meinen „Purpose“, meine Bestimmung geschärft:

„Mit meiner Power und Begeisterungsfähigkeit helfe ich anderen Menschen, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, diese zu nutzen, um im Team das Beste aus sich herauszuholen und damit erfolgreicher und zufriedener zu werden.“

Schon als Kind war ich gerne die Anführerin. Was in der Grundschule manchmal zu Neid und Zickereien geführt hat („du willst immer die Bestimmerin sein“ „du willst immer im Mittelpunkt stehen“), waren und sind meine größten Stärken: Ich gehe gerne voran, ich kann Menschen zusammenbringen, begeistern und motivieren, kann dafür sorgen, dass sie das Beste aus sich herausholen – und zwar im Team und so, dass jeder seine Stärken nutzt.
In der zweiten Klasse habe ich einen Club gegründet, der Sport-Wettbewerbe veranstaltete, Theaterstücke initiiert und umgesetzt und mit meinen Freunden Die Vogelhochzeit von Rolf Zuckowski verfilmt.

Was will ich damit sagen?

Wenn man vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht, wenn es einfach zu viel wird, wenn klassische Zeitmanagement- und Piorisierungs-Methoden an ihre Grenzen kommen, dann macht nur noch der „Birdview“ Sinn: Einen Schritt zurück, und alles von oben betrachten: Worauf es WIRKLICH ankommt, was euer eigentlicher Purpose, eure Identität als Führungskraft ist! So findet ihr wieder Orientierung.

So what to do? Meine Tipps und Empfehlungen

Der Birdview hört sich leider in der Theorie immer einfacher an, als er in der praktischen Umsetzung ist. Ich versuche dann, mir Unterstützung zu holen: Sparring mit dem Chef (Danke, Philipp 😊), Coaching, Inspiration durch Bücher, Podcasts, Online Kurse. Austausch mit erfahrenen Führungskräften, die optimalerweise den passenden Mindset haben. Und aufschreiben! Ich habe es schon mal an anderer Stelle gesagt: für mich ist das Bloggen auch immer ein Vehikel, um Themen für mich zu strukturieren, Abstand zu gewinnen und die genannte Außenperspektive zu erlangen.

Eine Übung finde ich besonders empfehlenswert: Schreibt fünf Minuten lang ohne abzusetzen auf, was für euch eine gute Führungskraft ausmacht, findet Beispiele für gute und schlechte Führungskräfte, welchen ihr begegnet seid, wie ihr als Führungskraft gesehen werden wollt.
Daraus generiert ihr euer Führungskraft Big Picture, was ihr bei Entscheidungs- oder Priorisierungsfragen dann immer zum Abgleich heranziehen könnt.

Um euren persönlichen Purpose zu finden, hilft es, in eure Kindheit zurückzublicken: was macht euch aus, wofür brennt ihr, was zieht sich wie ein roter Faden durch euer Leben? Was  waren die größten Herausforderungen, und wie haben sie euch stärker gemacht?

Wenn ihr diese Klarheit habt, nimmt das in vielen Dingen den Druck raus. Ihr könnt euch bei jeder Aufgabe die Frage stellen, ob und inwieweit sie auf eure Bestimmung einzahlt. In den Coaching Sessions helfe ich meinen Coachees genau dabei, denn mit Anleitung funktioniert die Ausformulierung noch besser.

Emotionale Intelligenz (EI)

Und es gibt noch eine weitere Komponente, die dabei hilft, den Druck zu verringern: Emotionale Intelligenz. Erwiesenermaßen ist EI mindestens so wichtig wie der „normale“ IQ. Daniel Goleman legt super dar, worauf es in der modernen Führung ankommt: Selbstreflexion, Selbstkontrolle, Motivation, Empathie und soziale Fähigkeit. Alles Skills, die erstmal mit fachlichem Wissen, Können und Erfahrung gar nicht so viel zu tun haben.
Auch diese Erkenntnis hilft mir immer wieder dabei, mich einzunorden, wenn ich an meine Grenzen komme, was Produkt- und Prozessknowhow im neuen Unternehmen betrifft. Ich habe einfach nicht den Anspruch, fachlich die Beste im Team zu werden oder Bekanntheit durch mein exzellentes Produkt-Knowhow zu erlangen. Das können andere sowas von besser!
Übrigens hilft diese Erkenntnis auch ganz entscheidend, wenn ihr euch die Frage nach dem „Wagnis“ eines Branchenwechsels stellt!

Der Sinn der Arbeit kann sich also nicht nur über den Lebenslauf (hard skills) oder durch den eigentlichen Unternehmenssinn identifizieren, sondern durchaus auch durch EI (soft skills) und ein Unternehmen, welches moderne Führung fordert und fördert.

Conclusio

Was ist also die Quintessenz meiner Ausführungen? Um seine Bestimmung zu leben, um sich selbst zu verwirklichen braucht es nicht zwangsweise ein fancy Startup oder die totale Selbständigkeit. Es genügt auch ein tolles Unternehmen, das erkannt hat, was Leadership heute bedeutet und somit dafür sorgt, dass der Sinn einer Tätigkeit auch in der Führung liegen kann.

Im Coaching hilft diese Herangehensweise zur Entscheidungsfindung: Was will ich wirklich? Etwa bei der Frage des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit, oder bei der Entscheidung, ein Unternehmen zu verlassen. Sobald klar ist, was konkret die eigene Bestimmung ist, können die Optionen einfach damit abgeglichen werden und die Entscheidung kommt von selbst.

Für mich persönlich ist das der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich aktuell gar nicht daran denke, mich selbständig zu machen. Die beiden anderen Gründe: Ich liebe es Teil, einer großen Organisation zu sein. Und meine Vorbildfunktion als Role Model für junge, ambitionierte Frauen lebt davon, dass ich selbst mittendrin bin.

Was ist euer Purpose?

Zum Weiterlesen: 

Harvard Business Manager: The Leader as Coach

Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz

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