Du schaffst das, Papa!

Die Kunst zu delegieren, outzusourcen, zu priorisieren – das sind die Zauberwörter zur erfolgreichen Umsetzung eines „vereinbarten“ Lebens in der Rushhour.

Meist lernt man es auf die harte Tour – wir halsen uns immer mehr Verantwortung, Aufgaben, Kinder auf und plötzlich geht’s aber nicht mehr. Die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Gerade wir Frauen tendieren dazu, uns unentbehrlich zu machen / machen zu wollen.  Es ist sehr menschlich, dass man gebraucht werden möchte und liegt in der Natur der Sache (Beispiel Stillen – warum sonst docken Frauen 6-24 Monate 6-24 Mal am Tag freiwillig ein Baby an ihre Brust???).

ABER nicht überall, wo wir denken, aktiv sein zu müssen, sind wir auch wirklich der Actor der Wahl. Und das ist die gute Nachricht: Ihr könnt das Delegieren und Outsourcen lernen, denn meist sind es Glaubenssätze, die uns von Kindheit an begleitet haben und uns dazu bringen, so zu handeln.

VERALTETE GLAUBENSSÄTZE

Beispiel Sauberkeit und Ordnung: Glaubenssatz „Eine gute Hausfrau sorgt dafür, dass ihr Haus ordentlich und sauber ist.“ Hat die eigene Mutter von der Oma so gelernt und an einen selbst weitergegeben – das hinterfragt man dann erstmal gar nicht. Erst wenn mit Job und Kindern die Zeit knapp wird, realisiert man vielleicht, dass man wöchentlich zehn Stunden mit Hausarbeit verschwendet. Nur leider sorgt der Glaubenssatz, welcher ganz tief innen, oft im Unterbewusstsein, steckt, dafür, dass man sich keine Haushaltshilfe nimmt. Hört sich an wie nicht aus dieser Zeit? IST ABER SO! Ich bin mir sicher, dass mehr Frauen keine Haushaltshilfe haben, weil sie „es ja auch selbst können“, „es lieber selbst machen“, „die Hilfe ja doch nicht so putzen würde wie man selbst“, als weil sie es sich nicht leisten können. Finde ich völlig ok – aber dann bitte nicht jammern!!

Eine von mir sehr geschätzte Kollegin (erfolgreiche Führungskraft mit vier Kindern) hat mal gesagt „es muss bei uns so sauber sein, dass keiner krank wird.“ Wenn ihr bei genauerem Nachdenken die Erkenntnis habt, dass diese Einstellung euch eigentlich viel eher entspricht, habt ihr schon mal den ersten Schritt geschafft! Überlegt also bei allen Dingen, welche ihr tut, ob sie euch WIRKLICH WICHTIG sind, oder ob ihr nicht vielleicht einfach damit aufgewachsen seid und es nie in Frage gestellt habt.

DELEGIEREN

Jetzt wird der eine oder andere sich vielleicht denken, Haushaltshilfe ok, aber im Job oder mit dem Kind ist das gar nicht so einfach – ich kanns nun mal am besten. Warum also delegieren, Zeit verschwenden, Qualität einbüßen? Timothy Ferriss, mein neuer Lieblingsautor, hat dazu das beste Zitat aller Zeiten: „Die Tatsache, dass man etwas viel besser kann als ein Großteil der Menschen, rechtfertigt nicht, dass man dies auch tun sollte.“ BÄM. Eigentlich sagt das alles. Wenn man wirklich etwas schaffen, wenn man wirklich erfolgreich sein und wirklich ein schönes Leben führen möchte, dann muss man priorisieren; was wiederum delegieren und outsourcen bedeutet.

Und im Zweifel kann man selbst gar nicht alles besser. Man würde viele Dinge wahrscheinlich anders machen als der Mitarbeiter, Babysitter, Partner, Kollege; aber ist es nicht viel inspirierender zu sehen, wie andere an eine Aufgabe herangehen? Man bekommt neue Impulse, kann voneinander lernen, neue Perspektiven einnehmen, seine Handlungsoptionen erweitern. Sehr oft hängt man lediglich einem falschen Perfektionismus nach, ohne zu hinterfragen, ob dieser gerechtfertigt ist und einem ein besseres Leben beschert.
Ich war auch immer eher der Typ Kontrollfreak. Als ich meine erste Tochter mit vier Monaten das erste Mal abgegeben habe (an die mir damals noch unbekannte Nanny, wobei ich im Nebenzimmer saß!!) hätte ich in Tränen ausbrechen können. Als ich meine jüngste Tochter mit vier Tagen das erste Mal bei der Nachbarin ließ, um zur Kita-Weihnachtsfeier der Großen zu gehen, kamen mir Freudentränen vor Glück. Dazwischen liegen fünf Jahre Learnings und Erfahrung aus der Kombination Führungsjob / Familie. Manche Dinge muss man also einfach mal wagen, ein paar Mal ausprobieren, bevor man sie so richtig zu schätzen weiß.

OUTSOURCEN

Wenn ihr es also wirklich schaffen wollt, in der Rushhour eures Lebens Karriere und Familie zu vereinbaren, dann solltet ihr heute beginnen, darüber nachzudenken, was ihr delegieren könnt. Man fängt an, sich alles aufzuschreiben, was man regelmäßig tut, aber eigentlich keinen Spaß macht. Von waschen/putzen/aufräumen, über Steuererklärung, einkaufen, Hecke schneiden, über Emails machen, Präsentationen und Reports erstellen, an Meetings teilnehmen. Der allererste Schritt sollte im Übrigen sein, sich Gedanken darüber zu machen, ob man es überhaupt tun MUSS. „Müssen tu ich gar nix“ hat man bei uns in Franken immer gesagt. Richtig! Hinter ganz vielen „Ich muss..“ stecken Glaubenssätze aus längst vergangenen Zeiten. In unserer Mainzer Studentenbude etwa haben meine Mitbewohnerin und ich das schon damals erkannt – „Ich muss meine Fenster putzen“ haben wir zwei Jahre lang einfach ignoriert 😉. Im beruflichen Umfeld eignen sich zum outsourcen kleinerer, wiederkehrender Tasks Praktikanten, später ambitionierte Mitarbeiter, die weiterkommen möchten und noch nicht über Familie und co. nachdenken. Wer mehr Infos zum Thema Outsourcing par excellence sucht, kann übrigens mal A.J.Jacobs googlen.

PRIORISIEREN

Was ich bei mir selbst erlebt habe: Oft versteckt man sich hinter dem operativen Tagesgeschäftsstress, um sich den großen, ernsthaften Herausforderungen nicht stellen zu müssen. Man möchte etwa ein Konzept für ein Thema entwickeln, wird es aber ohne Probleme schaffen, diesen Task ins Unendliche hinauszuschieben; denn Emails sind schließlich immer da, die schnell noch vorher bearbeitet werden müssen. Auch hier wartet mein Freund Tim Ferriss mit einem brillanten Zitat auf: „Geschäftigkeit ist eine Ausrede, nicht zu denken.“ Wenn man es also aktiv schafft, zu priorisieren, und damit einfach bestimmte Dinge NICHT zu tun, wird man auch Kinder und Karriere locker unter einen Hut bekommen. Ich halte mich jetzt – gemäß Tim Ferriss – daran, mich dreimal täglich zu fragen, ob ich gerade wirklich produktiv, oder nur beschäftigt bin. Am Anfang sollte man sich diese Frage vielleicht sogar bei jeder einzelnen Handlung stellen. Das ist krass wirksam.

Beispiel: Bei meinem Mann beschwere ich mich immer, dass ich nicht genug Zeit habe, meinem Blog, unserem Ferienhaus und meinen 1.000 Ideen nachzugehen. Denn 4-monatige Babys sind unberechenbar. Wenn sie dann aber mal schläft und ich in Ruhe vor meinem Computer sitze, surfe ich ganz oft erstmal eine halbe Stunde im Internet. Schreibe hier eine Email, springe auf Google, fange eine Recherche an, esse dazwischen eine Schüssel Haferflocken, schaue mal bei Insta oder Facebook.. All diese Dinge muss ich sowas von gar nicht tun und würde mir ohne sie viel mehr Freizeit bescheren.
Was ich hingegen optimiert habe, ist das „Loslassen“ jeglicher Hausarbeit. Wenn unsere Haushaltshilfe kommt, lasse ich sowieso alles stehen und liegen. An den anderen Tagen versorge ich lediglich meine Kinder mit Essen und räume die Spülmaschine ein und aus. Das  wars. Ich habe gelernt, dem Impuls zu widerstehen, jedem Krümel hinterher zu wischen, nur dass ich ein sauberes Haus habe, das sowieso tagsüber kaum einer sieht und spätestens am Nachmittag von den Kids wieder verwüstet wird. Mir sind andere Dinge wichtiger, etwa diesen Blog hier schreiben zu können. Leider passiert es gerade Müttern immer wieder, den ganzen Tag beschäftigt zu sein mit Haushalt, Kindern und co. und dann daraus den Irrglauben zu entwickeln, wenn sie JETZT AUCH NOCH ARBEITEN müssten, ginge das gar nicht. Nehmt das nicht als gegeben hin, sondern überlegt, was ihr wirklich tun müsst und wollt!

SEID EGOISTISCH

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich das mit der Vereinbarkeit besser hinbekomme als manch anderer. Und ich glaube es liegt an meinem gesunden Egoismus. Mir sind meine Karriere, meine persönlichen Themen zu wichtig, als dass ich sie für ein anderen Menschen (in dem Fall meine Kinder) einfach aufgeben oder reduzieren würde. Ich sehe nicht ein, „nur“ zuhause zu hocken, statt mein Potenzial zu nutzen. Ich sehe auch nicht ein, mit meinem Mann nicht mehr alleine auszugehen oder in Urlaub zu fahren, „nur“ weil wir Kinder haben. Ich kenne Paare, die hatten kein einziges Date mehr seit sie Kinder haben. Seid also ein wenig egoistischer und lasst auch mal los!

LOSLASSEN

Mehr Freiheit, Selbstbestimmtheit, Kreativität bedeutet andere Dinge abzugeben, sich von anderen helfen zu lassen. Man sollte sich also aktiv damit beschäftigen, wie man sich von Abhängigkeiten oder Zwängen zumindest zeit-/teilweise auch mal befreien kann. Das schafft im Übrigen gegenseitiges Vertrauen und Verständnis, im Privaten wie im Beruflichen. Beim Kinderkriegen empfehle ich, den Papa von Tag 1 an voll einzubinden und ihn dann aber auch machen zu lassen, statt ihn zu kritisieren, dass er alles falsch macht. Wenn der Kleine in der lila Leggins seiner Schwester zur Kita geht, stört das einfach keinen Menschen. Dasselbe gilt im Job (Stichwort Agiles Arbeiten): Man wird zu einer besseren Führungskraft, wenn man Dinge abgibt, sein Team und dessen Fähigkeiten auch wirklich ausnutzt und dabei aber nicht erwartet, dass alle es genau so tun, wie man es selbst gemacht hätte. So kann man sich schlussendlich den wirklich wichtigen Dingen widmen.

FAZIT

Delegieren – outsourcen – priorisieren – macht euch proaktiv und ernsthaft Gedanken darüber, sonst werdet ihr den Spagat nicht schaffen. „Jaja stimmt, ich sollte auch mal ein Meeting absagen.“ oder „Ach, du hast Recht, wir müssen uns jetzt auch mal nach einem Babysitter umschauen.“ funktionieren übrigens nicht.

Zum Abschluss noch ein persönlicher Tipp von mir: Ich versuche seit einigen Wochen „Ich muss..“ Phrasen zu vermeiden und durch „Ich will..“ zu ersetzen. Wenn es nicht anders geht, frage ich mich „..muss ich wirklich?“ – oder kann ich es nicht einfach bleiben lassen bzw. kann nicht auch jemand anderes?

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