Ich bin für 6-Stunden-Tage!

Für mehr Innovation, Kreativität und Erfolg.

Teilzeitkräfte verdienen weniger Geld – ceteris paribus.

Teilzeitkräfte arbeiten öfter nicht aus dem Büro, sind effizienter als Vollzeit Arbeitende und verdienen dafür weniger Geld. Objektiv betrachtet macht das Konzept Teilzeit also wenig Sinn (dazu habe ich hier schon mal geschrieben). Schlimme Tatsache: Es gibt viele Menschen (vornehmlich Frauen), welche trotzdem Teilzeit arbeiten. Und das sind nicht die ambitionslosen SAHMs, die sich, wenn die Kinder in die Schule kommen, ein paar Stunden pro Woche beschäftigen möchten.
Das sind top ausgebildete Frauen mit mega Jobs, die jetzt halt Kinder bekommen haben. Und vielleicht in einer renommierten Anwaltskanzlei arbeiten. Oder als Beraterin. Die zehn Jahre Vollgas gegeben haben, locker mithalten konnten mit 14-Stunden Tagen. Und jetzt Kinder haben, und trotzdem ihre Karriere weiter vorantreiben möchten. Um nicht schief angesehen zu werden, wenn man pünktlich um 16h geht, oder wenn man mal von zuhause arbeiten muss weil ein Kind krank ist. Damit man sich nicht rechtfertigen muss. Um das Gewissen zu beruhigen. Obwohl sie ja doch Abends nacharbeiten!

Das macht mich wahnsinnig!

Was ist das für eine Gesellschaft, in der man sich rechtfertigen muss, wenn man „nur“ 100% arbeitet? Ist uns nicht allen klar, dass es längst nicht mehr auf die Präsenz, sondern das Ergebnis ankommt? Und dass gute Arbeit sich nicht durch möglichst viel arbeiten auszeichnet? Und dass wieviel % auch immer der Bevölkerung an psychischen Problemen, Überlastung und Burnout leidet?

Weniger Arbeit, bessere Ergebnisse

Ich habe es in meinen letzten drei Berufsjahren und jetzt in der Elternzeit getestet und bin überzeugt: 6 bis maximal 8 Stunden „aktive Arbeit“ pro Tag sind schon meeega viel, und mehr braucht echt kein Mensch. Da wird man dann weder produktiver noch sonst irgendwie besser oder erfolgreicher. Im Gegenteil, ich schaffe auch in 2-3 Stunden pro Tag verdammt viel!
Als ich vor fast vier Jahren mit zwei Kindern, damals 1 und 2, zurück in den Job ging, habe ich mich in den ersten Tagen immer so unwohl gefühlt, wenn ich um 16h zur Kita ging. In kürzester Zeit hats aber niemanden mehr interessiert und von da an war das dann halt so. Ich habe Gas gegeben im Büro und mich nachmittags auf die Kids gefreut. Diese Balance ist so bereichernd und macht so kreativ und sorgt vor allem dafür, dass man sich im Wechsel immer auf das jeweils andere wieder freut. So macht das Leben Spaß! Ich bin damit super gefahren und habe auf dem Weg eine fette Beförderung mitgenommen.

So viel arbeiten wie das Umfeld

Im neuen Job habe ich mich dann erst recht reingehangen. Ich habe (wieder mit ganz viel Angst im Bauch) kommuniziert, dass ich zwischen 16h und 19h nicht erreichbar bin und nicht arbeite. Wieder kein Problem. Für Ausnahmefälle gabs Babysitter. Und dann bin ich aber irgendwie abgedriftet: Alle um mich herum arbeiteten wie verrückt. Meine Peers vornehmlich Männer, die augenscheinlich keinen größeren Part im Familienleben übernehmen mussten. Es gab Druck, Druck von oben, von unten. Meetings, Meetings, Meetings. Ich habe von 8-16h Meetings gehabt, und von 19-22h Emails und Admin Zeug bearbeitet. Retrospektiv betrachtet (das ist jetzt etwa ein halbes Jahr her), war ich deshalb aber nicht unbedingt besser geworden. Ich frage mich auch, wie lange ich das eigentlich noch weiter so gemacht hätte, wäre ich nicht schwanger geworden.
Mir hat der Job immer Spaß gemacht, ich bin sehr, sehr stressresistent und brauche vergleichsweise wenig Me Time. Trotzdem frage ich mich im Nachhinein, warum ich eigentlich nicht viel mehr hinterfragt habe, die Sinnfrage gestellt habe, bei all den Meetings und „Feeding-the-monster“ Aktionen eines Großkonzerns. Sicherlich war das auch ein Faktor, warum ich mich letztendlich entschieden habe, mal rauszugehen (zum Konzernausstieg). Denn ich war irgendwie gar kein „Querdenker“ mehr. Im Gegenteil, ich war immer weniger kreativ, passte mich dafür immer mehr meiner Umgebung an – „in einer solchen Position IST DAS HALT SO“.

Mit etwas Abstand: Völliger Quatsch,

das MUSS NICHT SO SEIN!

Ich habe glaube ich viel zu wenig priorisiert, bzw. ich WEISS es. Ich habe mehr versucht, „rumzukommen“, als mir Gedanken über das große Ganze zu machen. Und das, obwohl Struktur, Überblick und Fokus doch immer meine Stärken waren.
Und dann bin ich in den Mutterschutz gegangen. Habe meinen Blog gestartet. Habe angefangen, wieder ganz viel zu lesen/hören. Ich gehe auf Netzwerktreffen, mache wieder mehr  Sport, treffe mich mit inspirierenden Menschen. Und auf einmal bin ich wieder so kreativ, habe 1.000 Ideen (LINK). Wenn mein Baby schläft, dann sitze ich am Laptop und schreibe. Und weil ich weiß, dass die Ruhe jederzeit vorbei sein kann, gebe ich richtig Gas, voll konzentriert. In ihren Wachphasen gehe ich dann spazieren und denke nach. Oft fesselt mich ein bestimmtes Buch/Thema/Mensch/Post/Geschäftsidee dann so sehr, dass ich – obwohl ich mega müde bin – abends noch richtig viel mache wenn die Kids schlafen. Und irgendwann dachte ich mir, so sieht das perfekte Leben eines Arbeitnehmers aus. Oder so ähnlich jedenfalls. Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass es – gerade in unserer heutigen Zeit der Digitalisierung, der Dauerverfügbarkeit – besser ist, klare Grenzen zu haben.

Kernarbeitszeiten von 9-15h

Wäre ich heute Chef, würde ich festsetzen, dass es Kernarbeitszeiten von 9-15h gibt. In der Zeit wird aber auch was geschafft und nicht planlos im Internet gesurft. In dieser Zeit finden die Meetings statt. In der restlichen Zeit soll jeder machen was er will. Und 100% wären einfach 100%. Zeitraubende Innovationsworkshops könnte man sich dann auch sparen, denn die Leute würden in ihrer Freizeit kreativ.

Dann gäbe es die lästige Teilzeitdiskussion nicht mehr. Wer ständig 150% arbeiten würde, wäre dann selbst schuld. Und man würde vielleicht endlich mal WIRKLICH priorisieren. Sich genau überlegen, an welchem Meeting die Teilnahme unbedingt notwendig ist. Man müsste weniger diskriminieren, denn Männer wie Frauen würden dann halt so arbeiten. Könnten sich viel gleichberechtigter bei der Kindererziehung einbringen. Es gäbe weniger Burnout, was die Unternehmen im Übrigen aktuell Millionen kostet (hätte ich mehr Zeit, würde ich jetzt noch Zahlen dazu recherchieren, aber das habe ich grade depriorisiert 😉).

Wir müssen nicht so radikal sein wie Tim Ferriss (die 4 Stunden Woche), aber 30 Stunden die Wochen sind aus meiner Sicht optimal. Wegen mir sogar noch 35 oder 40 mit Mittagspause, aber alles andere ist Quatsch (zumindest auf Dauer). Kein Mensch kann 10 Stunden oder länger voll konzentriert bei der Sache sein.

Unsere Gesellschaft braucht einen Mindset Change!

Wenn ich dieses (mein aktuelles Lieblings-)Plädoyer in meinem Umfeld halte, kommt an dieser Stelle normalerweise immer der Einwand: Ja, aber ich arbeite halt sehr Vorstands-/Chef-/Geschäftsführungs-nah, da muss ich mich nach diesen Leuten richten. Stimmt, aber wenn wiederum ALLE das vorleben würden, dann ginge ja auch der CEO um 16h nach Hause. Das wird sich in dieser Generation nicht mehr ändern. Aber wir können dafür sorgen, dass WIR die CEOs von morgen werden, und dann können wir was bewegen!

Ergänzung: Ich möchte nicht falsch verstanden werden – ich bin ein großer Fan von Leistung und sich reinhängen und mich nervt die teilweise „Chiller-Mentalität“ der Gen Z, genauso wie das nine-to-five-das-ist-nicht-meine-Aufgabe Beamtentum. Aber noch mehr nervt mich die Attitüde der Boomers / Gen X, mit Präsenz und sich-tot-schuften erfolgreich sein zu wollen. Die Zeiten sind einfach vorbei, wir leben in einer neuen Gesellschaft; in welcher Rollenverteilungen in einer Familie gleichberechtigt sind, in der wir zeit- und ortsunabhängig arbeiten können, in der alte Regeln schlicht und ergreifend nicht mehr passend sind. Und das übrigens ganz egal, ob man nun Kinder hat, oder seine Mutter pflegt oder einfach nur gerne Tennis spielt am Nachmittag. Darum bin ich für die 30 Stunden Woche. Vielleicht brauchen wir das sperrige Wort „Vereinbarkeit“ dann auch gar nicht mehr in unserem Vokabular.

Kristina Maroldt hat dazu übrigens auch einen ganz tollen Artikel in der Brigitte geschrieben.

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