BUCHTIPP: Das Kind in dir muss Heimat finden

von Stefanie Stahl

Das Buch haben mir zwei Freundinnen empfohlen, als ich mich im Rahmen des Happy Rebels Online Coachings mit dem Thema Glaubenssätze beschäftigt habe. Und – ich kann es weiterempfehlen!

Kurz: Das Buch macht dich in Kürze zum Hobby-Psychologen für dich selbst und dein Umfeld – kein Schattenkind bleibt seither unentdeckt. Vor allem aber regt es zum Nachdenken und aktiven Auseinandersetzen mit den eigenen Verhaltensmustern an und hilft in so manch schwieriger Situation.

Sonnenkind und Schattenkind

Ohne lange anstrengende Psycho-Theorien zu präsentieren geht’s gleich in medias res, und zwar am Beispiel von Michael und Sabine, die Streit bekommen, weil sie beim Einkauf seine Lieblingswurst vergessen hat. Etwas platt, das Beispiel, aber anschaulich und nachvollziehbar und daher gut für mich als visuellen Menschen (in meiner Vorstellung handelt es sich um Lyoner Wurst).
Und dann kommt Stefanie Stahl auch schon ziemlich schnell zur Quintessenz, nämlich Schattenkind und Sonnenkind. Jeder von uns trägt beide in sich, geprägt von ihnen werden wir in unserer Kindheit. Es festigen sich Glaubenssätze (negativer wie positiver Natur), welche wir so einfach nicht mehr loswerden.
Nach den ersten paar Absätzen war ich kurz geneigt, abzubrechen: 1. Empfinde ich die mitleidig säuselnde Stimme der Sprecherin des Hörbuchs als anstrengend und 2. Dachte ich mir „Oh Gott, ich habe doch gar keine Probleme – das wird einem hier ja förmlich eingetrichtert; am Ende habe ich danach welche?!?“. Ich sollte mein „Schattenkind trösten“, das kam mir äußerst befremdlich vor. Schließlich bezeichne ich mich als psychisch äußerst stabil, und problematisch ist nur, dass ich ständig zu wenig Zeit habe und müde bin.

Erkenntnisreiche Selbstreflexion

Doch nicht umsonst ist das Buch ein Bestseller und natürlich hat Stefanie Stahl recht – wir ALLE tragen auch ein Schattenkind in uns.

Das Buch startet mit der Analyse des eigenen Schattenkindes und die Übungen dazu waren wirklich mega! Ich habe mir sogar die Mühe gemacht, wie vorgeschlagen das Schattenkind aufzumalen und meine negativen Glaubenssätze (hervorgerufen durch das Verhalten meiner Eltern) aufzuschreiben. Das ist eine super tolle Übung zur Selbstreflexion. Zwar konnte ich in meinem bisherigen Leben einige meiner negativen Glaubenssätze längst widerlegen. Aber ich hatte mich vorher noch nie so aktiv und vor allem bewusst damit auseinandergesetzt. Mir fiel es teilweise wirklich wie Schuppen von den Augen. Ich kann mich dadurch ein riesiges Stück besser selbst verstehen und so auch entsprechend gegensteuern, wenns mal nicht so läuft (Stichwörter: Anerkennung, Enttäuschung, Perfektion..).

Geeignet auch für deine Eltern..

Da die ganze Schattenkind/Sonnenkind Thematik auf den eigenen Eltern und deren Verhaltensweisen, Erwartungen etc. beruht, habe ich mich also intensiv mit meinen Eltern auseinandergesetzt. Das war so spannend, dass ich das Buch auch gleich beiden Elternteilen geschenkt habe. Es bietet somit den perfekten Anknüpfungspunkt für Gespräche, in denen man gewisse Themen aus der Vergangenheit ansprechen und diskutieren kann, ohne sich dabei aber gegenseitig Vorwürfe zu machen.

..und deine Kinder

Bei den eigenen Kindern will man dann natürlich diese ganzen Fehler der eigenen Eltern nicht machen. Also geht das Buch sogar noch ein bisschen als Erziehungsratgeber durch: Warum reagieren Kinder in welcher Situation so oder anders und was kann man als Eltern tun, um die Kinder möglichst zu stärken mit positiven Glaubenssätzen (ich werde zum Beispiel meinen Kindern selbstverständlich niiiiiiemals in ihre berufliche Zukunftsplanung reinreden 😉).

Hobby-Psychologe

Ein bisschen läuft man Gefahr, während man das Buch liest/hört, zum Dauer-Psycho-Analytiker zu werden. Ich analysiere ständig mein ganzes Umfeld und entdecke Machtmenschen, Narzissten und  Harmoniebedürftige und ihre Schutzstrategien. Und ich habe ein bisschen Angst vor allen Menschen, die „Das Kind in mir muss Heimat finden“ auch gelesen haben, denn ich habe das Gefühl, psychologisch ein offenes Buch zu sein, lesbar durch meine Verhaltensweisen..
ABER man wird irgendwie auch weicher und nachsichtiger, sowohl mit sich selbst, als auch mit anderen. Selbstverständlich kann man nicht jedes Fehlverhalten entschuldigen mit „er kann nichts dafür, das ist sein Schattenkind“, doch man kann versuchen sich hier und da in Konfliktsituationen in sein Gegenüber zu versetzen und es besser zu verstehen.

Fazit:

Das Buch ist die perfekte Mini-Selbsttherapie, vorausgesetzt man hat keine schwerwiegenden psychischen Störungen. Es öffnet neue Sichtweisen, gerade für Menschen wie mich, die eher rational getrieben sind und sich bisher noch wenig mit Psychologie beschäftigt haben.

Leider hats am Ende bei mir doch nicht gereicht – ich bin nach wie vor nicht ganz fertig mit dem Buch. Vielleicht liegts daran, dass ich mich in zahlreichen Weiterbildungen und Führungskräfteseminaren bereits ausgiebig mit meinen Stärken und positiven Glaubenssätzen (also dem Sonnenkind in mir) auseinandergesetzt habe. Vielleicht auch an den vielen spannenden Podcasts, die mit dem Hörbuch konkurrieren. Wie auch immer, ich empfehle „Das Kind in dir muss Heimat finden“ trotzdem ausdrücklich.

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