BALANCE – normal statt radikal!

Erfolgreicher, glücklicher, zufriedener; warum es gut ist, durchschnittlich zu sein.

Wir leben in einer Gesellschaft der Extreme: vom Workaholic mit Burnout zum Total-Aussteiger, vom übergewichtigen Couchpotato zum Marathonläufer, von der Karrierefrau zur Helikopter Stay-at-home-mom.

Ich war schon immer Durchschnitt. Als ich klein war, hat mich das ganz schön gestört. Ich war gut in der Schule, aber kein Überflieger. Ich machte Taekwondo und spielte Tennis, aber immer ohne überragenden Erfolg. (Meine Mutter würde jetzt sagen: Doch, du konntest sooo toll Flöte und Klarinette spielen, du hast nur nie was draus gemacht 😉) Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, was die Dinge sind, in denen ich wirklich überperformen kann (Begeisterungsfähigkeit, Empathie, Stressresistenz, Durchhaltevermögen – POWER);  ansonsten kann ich Vieles ganz gut, aber ich bin weiterhin eher average.
Nur dass ich es heute schätze, denn ich bin in Balance.

Und zwar Balance nicht im spirituellen Chichi-Sinne, sondern ganz klassisch, nämlich ausgeglichen. Ich bin mir ganz sicher, dieser Zustand macht erfolgreicher, glücklicher und zufriedener!

ESSEN – ZUCKERFREI

Low Carb war gestern – heute verzichtet man auf Zucker. Und zwar am besten in Kombination mit Intervallfasten. Klingt extrem, macht aber grade jeder. Auch bei den Kindern macht der Trend keinen Halt: Während wir auf Löffelbiscuits herumkauten (mmmmmh), gibt’s heute Hirsekringel. Und in der Kita gibt’s eine Abmahnung von der übergewichtigen Erzieherin wenn auf dem Weizenbrot (Gluten!!) auch noch Nutella ist.
Keine Frage, man weiß heute mehr über gesunde Ernährung, und die halte ich grundsätzlich auch für richtig. Doch warum kann man eigentlich nicht einfach „normal“ essen? Obst und Gemüse, hier und da Fleisch, gerne auch Pasta und Brot. Das Ganze in normalen Mengen. Süßigkeiten kaufe ich nicht, aber wenn wir welche geschenkt bekommen, dann essen wir sie auch. Je mehr man sich bestimmte Dinge verbietet, umso mehr entwickelt man eine krasse Sehnsucht danach (das ist normal und menschlich). Daher plädiere ich ganz klar dafür, einfach in Balance zu essen, der eigene Körper sagt einem schon von selbst, was richtig ist (wenn man zuhört). Ich habe zum Beispiel nach längeren Urlauben im Hotel immer mega Lust auf Selbstgekochtes. Und wenn man keine Radikal-Diät hinter sich hat, läuft man auch nicht Gefahr, im Anschluss eine radikale Fressattacke zu bekommen. (Anekdote: Meine kleinste Schwester war als Teenie mal „überzeugte“ Vegetarierin; außer Sonntags – da gab es immer einen leckeren Braten. Das ist wahre Balance 😉)

JOB – BURNED OUT

Leistung und Ergebnisse sind wichtig; dafür muss man sich reinhängen, denn umsonst gibt es nichts auf der Welt. Trotzdem hat keiner etwas davon, wenn man dabei zum Workaholic wird und ausbrennt. Ein bisschen ist Burnout grade ein Trend, wobei der schon wieder abgelöst wird vom „Extreme-Work-Life-Balancing“ der neuen Generation, die gerne chillt; oder auch mal im Vorstellungsgespräch fragen, warum sie sich gerade für dieses Unternehmen entscheiden sollten. Egal ob extrem überlastet oder Totalaussteiger – am coolsten wäre es doch, einfach einen normalen Job zu haben. Normal im Sinne von, hier kann ich mich ausleben, weiterentwickeln, habe Spaß, bekomme Anerkennung, komme weiter. Und wenn dem nicht so ist, dann muss ich was ändern und mir was Neues suchen, statt mich meinem Jammertal hinzugeben, bis ich nicht mehr kann.
Im Übrigen ist auch „ein bisschen“ Erfolg gut! Man vergleicht sich gerne mit den Überfliegern und im Zweifel findet man auch immer jemanden, der NOCH besser ist. Nur macht das ziemlich unzufrieden und höchstwahrscheinlich wäre man als Sheryl Sandberg 2 oder Steve Jobs 2 auch nicht glücklicher! Dasselbe gilt für Geld: Ich finde es total angenehm, sich peu-à-peu zu steigern; denn wenn man irgendwann keine Träume oder Ziele, auf die man hinarbeiten kann, hat, wird man unglücklich bzw. braucht immer krassere Extreme. Ich habe mal einen Artikel über 20-jährige Bitcoin-Millionäre gelesen, die ohne Schlaf in ihren Villen in Miami abhängen und ständig am Rechner sein müssen – finde ich nicht unbedingt erstrebenswert..

SPORT – 42,195 KILOMETER

Marathon laufen ist in! Es gibt die Lauf-Hasser („Ich kann das einfach nicht!!“) und die Leistungssportler. Besonders (Top-)Manager entwickeln sich immer öfter zu passionierten bis krankhaften Läufern. Ich laufe super gerne, am liebsten so 6km, das macht total Spaß, danach fühle ich mich gut. Auf einen Marathon trainiert habe ich noch nie, und habe das auch nicht vor. Klar, gerade im Sport sind Challenges super, sie spornen an. Aber muss es immer gleich so extrem sein? Ich habe Bekannte, die haben monatelang trainiert, sind dann nach dem Marathon zusammengebrochen, konnten nicht mehr laufen, waren danach eine Woche krankgeschrieben. Das kann sogar zur Sucht werden.
Sport ist Mord!
Natürlich nicht, im Gegenteil. Sport ist unendlich wichtig, für Körper, Geist und Seele. Aber auch hier kann man ja einfach versuchen, es in Maßen zu betreiben. Sich nicht irgendwelche übertriebenen Ziele stecken („ab morgen gehe ich jeden Tag ins Fitnessstudio“), sondern einfach mal machen. Und wenn’s jeden Tag ein Spaziergang ist. Es wird Phasen geben, da hat man mehr Zeit und Lust, dann auch wieder weniger. Das hängt von vielen Faktoren ab, aber am wichtigsten ist es doch, ein gesundes Level zu halten. Und die Anzeichen des eigenen Körpers zu erkennen und ernst zu nehmen.

Ich war vor zwei Jahren regelmäßig in der Mittagspause im Fitnessstudio, als ich an einem Standort gearbeitet habe, wo das integriert war. Dann zog mein Team um und mein Job wurde stressiger, so dass ich es auf hier und da Joggen am Abend und mal Crosstrainer zu Hause beschränken musste. Aktuell bin ich in Babypause und gehe zur Aufbaugymnastik, jeden Tag spazieren, turne zuhause ein bisschen auf der Yogamatte. Meine neusten Entdeckungen: Crosstrainer mit Baby im Tragetuch (eine super Alternative zum In-der-Wohnung-auf-und-ab-gehen) und Inlineskaten mit Kinderwagen.

KINDER – HELIKOPTERN

Für das Kind soll es von allem nur das Beste sein: Bester Kindergarten, beste Schule, beste Betreuung. Musikalische Früherziehung, fünf Sportarten, maximal gesunde Ernährung, beim Kleiderkreisel erworbene, gut erhaltene Markenklamotten. Meist sind die Mütter dafür zuständig, wobei man heutzutage wohl auch Väter in den Pekip-Kursen antrifft.
Wir waren zwei Jahre in den USA, meine Tochter konnte damals Englisch. Jetzt hat sie es verlernt, denn wir haben sie in einen durchschnittlichen, öffentlichen Kindergarten gesteckt, statt für 1,5k€ p.m. in den englischsprachigen. Der Kindergarten ist in einem eher nicht so tollen Viertel der Stadt, dementsprechend das Klientel. Gut für mich, so spare ich mir den Plausch mit anstrengenden Akademiker-Eltern. Und auch den Kindern scheint es nicht zu schaden – zumindest gehen sie jeden Tag gerne hin.
Ich bin grade in Elternzeit, das heißt ich habe mehr Zeit als vorher, und dementsprechend dürfen meine Kinder jetzt auch mal einen Schwimmkurs besuchen und zum Turnen beim örtlichen Sportverein. Was ich dort sehe, ist erschreckend: Die Helikopter-Moms wie sie im Buche stehen, umsorgen ihre Kinder; das geht so weit, dass eine Mutter sogar in das Turngeschehen eingreift, um ihrer 5-jährigen Tochter zu helfen. Im Nachgang erfahre ich, dass sie ihren Job aufgegeben hat, um ihren Töchtern die beste Ausbildung und Erziehung zu ermöglichen, sprich die beiden Gören den ganzen Tag herumzukutschieren.
Ich nenne das das „Paradoxon der SAHMs“. Sie tun alles dafür, dass die Kinder von allem nur das Beste bekommen. Finde ich grundsätzlich nicht schlimm. Doch dann stehen ihre top-ausgebildeten Töchter irgendwann im Leben, haben einen tollen Job, sind glücklich und erfolgreich – bis sie heiraten und das erste Kind bekommen. Ab da orientieren sie sich am Vorbild ihrer Mutter, und die hat sich ja schließlich auch immer aufopferungsvoll ausschließlich um die Kids gekümmert. Bäm, die gläserne Decke ist da, und das auch noch selbstverschuldet.

Das andere Extrem, nämlich die Verwahrlosung von Kindern, ist natürlich auch ein Problem, ein viel schlimmeres sogar. Und das kommt nicht nur in den unteren Gesellschaftsschichten vor.

Ich glaube, man kann seinen Kindern ein gutes, schönes und glückliches Leben ermöglichen, auch ohne zu helikoptern. Denn Kinder sind die natürlichste Sache der Welt und gehören zum Leben einfach dazu.(https://www.fuchspower.net/2019/02/27/der-perfekte-zeitpunkt/)

FAZIT: In allen Lebenslagen macht es Sinn, nach Balance zu streben. Letztendlich ist auch die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere nichts anderes als ein ständiges Balancieren zwischen Job und Familie. Es wird immer mal stärker in die eine Richtung gehen, und wenn man das merkt, muss man eben wieder ausgleichen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man dann glücklicher und zufriedener ist und folglich auch erfolgreicher. Freut euch, wenn ihr normal seid!

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